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Tagebuch 1938/1
„1932 öffnete das ,Courtauld Institute of Art‘ als Universitätsinstitut. Damit konnten auch
in Großbritannien Studierende einen akademischen Grad in Kunstgeschichte erwerben.“
Bereits 1930 war William G. Constable (1887–1976) zum Direktor des Instituts ernannt
worden (Feichtinger 2001a, 342).
„Anti-Clark-Giorg[ione]-Campagne“
– Kenneth Clark hatte vier Bildtafeln, auf die er 1937
bei einem Wiener Kunsthändler gestoßen war, als Giorgione für die National Gallery er-
worben. Diese Zuschreibung wurde jedoch unmittelbar darauf von führenden Kunsthisto-
rikern erbittert angefochten und eine mediale Kampagne gegen Clark, dem neben einem
Fehlurteil auch Geldverschwendung vorgeworfen wurde, losgetreten. Die kurz darauf er-
folgte Zuschreibung der Tafeln an Andrea Previtali, einen Zeitgenossen Giorgiones, wird
auch heute noch als gültig angenommen. Als zugrunde liegendes Thema dieser zusam-
menhängenden Bildfolge erkannte Ernst Gombrich ein pastorales Gedicht aus der Zeit
um 1500 (Clark 1937 ; Richter/Borenius/Bodkin 1938 ; The National Gallery, Scenes from
Tebaldeo’s Eclogues).
Lincoln’s Inn – eine der vier englischen Anwaltskammern.
31 Am 15./16. Februar kam es zu der von Hitler in Berchtesgaden geforderten Regierungsum-
bildung. Im neuen Kabinett Schuschnigg erhielten die Nationalsozialisten Arthur Seyß-
Inquart (1892–1946) und Edmund Glaise-Horstenau (1882–1946) das Innen- und Sicher-
heitsressort respektive ein Ministeramt ohne Portefeuille. Nachweislich sympathisierte
Finanzminister Rudolf Neumayer (1887–1977) mit den Nationalsozialisten (Rudolf Neu-
mayer, Forschungsstelle Nachkriegsjustiz).
Die Frage, ob der damalige Außenminister Guido Schmidt (1901–1957) ebenfalls mit dem
Deutschen Reich kollaborierte, konnte in einem Nachkriegsverfahren nicht restlos geklärt
werden (N. N. 1947b).
Ob Schmidt und Neumayer auch die Personen waren, die ETC, die trotz allem recht gut
informiert gewesen zu sein scheint, im Auge hatte, muss dahingestellt bleiben.
Eine Person namens Ruth in London, die möglicherweise zum engeren Bekanntenkreis der
Tietzes gehörte, konnte nicht ausfindig gemacht werden.
Kingston Lacy – Sammlung Mrs. Henrietta Bankes.
Hans-Dietrich Gronau war seit 1935 in London ansässig und hier vor allem im Kunsthan-
del tätig (Pouncey 1951 ; Hans-Dietrich Gronau, in Wendland 1999a, 247–248).
„Zatzenstein heiratete 1920 Mara Matthiesen und änderte seinen Familiennamen in Zat-
zenstein-Matthiesen. […] Die Firma hatte ihre Geschäftsadresse in Berlin, Viktoriastraße
33. 1928 begann die Galerie, mit der Kunsthandlung Colnaghi in London bei dem Verkauf
der Kunstwerke aus der Eremitage in St. Petersburg zusammenzuarbeiten. Da Franz Zat-
zenstein Jude war, emigrierte er 1935 nach London.“ (Bundesamt für zentrale Dienste und
offene Vermögensfragen, Provenienzrecherche ; Dyck 2006, 25–26.)
Vivarini – venezianische Malerfamilie des 15./16. Jahrhunderts, deren bekanntester Vertre-
ter Alvise ist (siehe auch TB 1937/2, 4.6.). In Thieme/Becker/Vollmer 2008 wird Alvise mit
dem Beinamen Luigi – also Ludovicus ? – geführt (ebd., 378).
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
- Title
- Erica Tietze-Conrat
- Subtitle
- Tagebücher
- Volume
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Editor
- Alexandra Caruso
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 346
- Category
- Biographien