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Tagebuch 1938/2
war besser als d. erste. Vor allem das Wetter ! Zwar war erwartete Post im American
Express nicht aufgetaucht (die kam erst am 26.!), aber der Nachmittag in Pavia (Prof.
Soriga) war interessant. Die Z[eichnung]en absolut unbedeutend, aber immerhin ein
Blatt, das zu Pordenones Petr[us] Mart[yr] irgendwie gehört, photographierenswert.
Soriga hat uns die übrige S[amm]l[un]g gezeigt mit einem erstklassigen Antonello-
bildnis (klein) u. einem Zurbaran Portr[ät] eines Karthäusergeistl[ichen] (groß). Er
hat auch viel Holzschnitte etc. gezeigt, eine wirkl[ich] ausgezeichn[ete] graph[ische]
S[amm] l[un]g mit prachtvollen Uniken, die jetzt publiz[iert] werden sollen (u. a.
eine Folge venezian[ischer] Holzschn[itte], Tondi, von d. Republ[ik] Venedig ex offo
herausgeg[eben], um d. Vaterlandsliebe zu
wecken). Bei Heyman ein paar gute Bil-
der wieder gesehen. Das schöne Portr[ät]
von Tintoretto (Gewand nur angelegt,
Spätbild), von dem wir d. Photo kann-
ten. Ein schönes indiskutables Lotto-
Män nerbildnis. Ein riesiger Tiepolo
(Vater) Mad[onna]+Kind etc. um 1730.
Ein sehr origin[eller] Tiepolo-Sohn (fast
wie d. Vater). Das in Ferrara ausgestellte
Orig[inal] zu d. Metrop[olitan-] Bild
Alfonso (mit einmal abgeschrägt[en]
Ecken). Aber so ein komischer Kauz. Der
26. morgen war geschäftl[ichen] Dingen
ge wid m[et.] (Französ[isches] Konsulat/
ver geb l[ich]), Haarschneiden, Amerex-
co u. einem Gespräch mit Dr Ant[onio]
Feltrinelli, Via Daniele Manin 37, der d.
Antonello besitzt, den uns Pesaro vor 4
½ Monaten um 1 Million verkaufen wollte. Der Pesaro ist inzwischen gestorben u.
Dr
Feltrinelli gibt noch immer keine Photogr[aphie]. Das Bild ist noch immer für Rist-
auro. So fuhren wir ab und in schönster Landschaft herauf nach Basel, ohne es zu
wissen an Anderl vorbei, der in Mendrisio seit Montag sitzt ! Darüber u. wegen manch
anderem in übler Laune ! Am Bahnhof hat uns Munio Feuermann abgeholt u. in das
Hôtel gebracht. Das Zimmer dort im Hause bezieht heut oder morgen die Schwester
Lili. Bei Frau Reifenberg haben wir heut um 11 im Hôtel Bellerive einen Besuch ge-
macht. Sie ist sehr hergenommen. Bei […] zumittag gegessen.17
30. [Juli]
Ich hab bisher nicht geschrieben, es war auch wirklich zu nervenanspannend hier.
Das Wetter – Föhn, Föhn, Föhn. (Erst heut ist kein Föhn, sondern richtig glühheiß).
Abb. 81 : Trude Waehner, Die Zukunft dieser Jugend, 1932.
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
- Title
- Erica Tietze-Conrat
- Subtitle
- Tagebücher
- Volume
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Editor
- Alexandra Caruso
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 346
- Category
- Biographien