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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
– Der Alpenostrand in Niederösterreich, Wien, dem Burgenland und der
Steiermark ist stark vonVb-Tiefs beeinflusst und erfährt im Sommer und
Herbst die größten flächigenStarkregenereignisse.HerausragendesBeispiel
ist hier das Starkregen- undHochwasserereignis imAugust 2002 (z.B. Ul-
brichet al., 2003a,b).
– Höhentiefs überMitteleuropa, die sich vom Jetstream abgelöst haben und
daher nur langsam ziehen oder gar ortsfest werden, können vor allem im
Sommerüberall flächigeStarkregenfälle auslösen, jenachdem,auswelchem
Sektor sie feuchteLuftmassengegendieAlpensteuern.Ein extremesHoch-
wasserinTeilenderSchweizer,bayrischenundösterreichischenAlpentratim
August 2005auf (Beniston, 2006;BLU,2006).
DasRisikovongroßflächigen Starkniederschlägen inMitteleuropawirddurch
verschiedene Faktoren bestimmt. Einerseits ist dieHäufigkeit vonTiefdruck-
gebietenimWinterdurchdenstärkerenJetstreamdeutlichhöheralsimSommer
(Abbildung04 inHofstätter et al., 2018). Starke Tiefs sind imWinterhalbjahr
(OktoberbisMärz) sogarum250%häufigerals imSommerhalbjahr (Aprilbis
September).AndererseitssindgroĂźeNiederschlagsmengenimSommerhalbjahr
aufgrundderweniger stabilenLuftschichtungunddeshöherenWasserdampf-
gehaltes auch bei schwächerenTiefdruckgebietenwahrscheinlich. So liegt das
95. Perzentil des Niederschlags-Flächenmittels in Mitteleuropa für die Ge-
samtheit aller Tiefdruckgebiete im Sommer bei 30mm und imWinter bei
19mm in 24Stunden, fĂĽr Vb-Tiefs sogar bei 56mmbeziehungsweise 29mm
(Tabelle06 inHofstätteretal.,2018).GroßflächigeStarkniederschlägesindalso
inMitteleuropadasganzeJahrübermöglich, imSommerhalbjahraberhäufiger
als imWinterhalbjahr.
Konvektive Starkregen weisen durch ihre Bindung an eine instabile Luft-
schichtungmarkanteJahres-undTageszyklenauf.DaimPrinzipjedesGewitter
einenkonvektivenStarkregenauslösenkann,lassensichdieseit1992vonALDIS
(»AustrianLightningDetectionand IndicationSystem«) registriertenBlitzent-
ladungen zu einem gewissen Grad als Substitut fĂĽr eine Betrachtung ihrer
räumlichenundzeitlichenVerteilungverwenden.
Mehr als 95% aller Gewitter entladen sich im Sommerhalbjahr (April bis
September), und innerhalb davon die meisten am Nachmittag und Abend
(BertramundMayr,2004;Schulzetal., 2005;Nisietal., 2016;PiperundKunz,
2017). Räumlich gesehen ist ihre Häufigkeit entlang der Alpenränder am
größten und nimmt sowohl Richtung Zentralalpen als auch in denAlpenvor-
ländernmit größerer Entfernung zudenBergen ab (BertramundMayr, 2004;
Schulz et al., 2005;Wapler, 2013; Kaltenböck und Steinheimer, 2015). Physi-
kalischlässtsichdiesesMustersointerpretieren,dasssichandenAlpenrändern
die »Zutaten« für eine instabile Luftschichtung, nämlich eine vomBoden aus-
StarkniederschlagundHagel150
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute