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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
InÖsterreich sindaktive Schutzsysteme gegenVerlagerungsprozesse inGe-
wässern im Schutzwasserbau in der Regel auf 30- bis 100-jährliche Bemes-
sungsereignisse und in derWildbachverbauung auf 30- bis 150-jährliche Be-
messungsereignissedimensioniert (BMLFUW,2015a, 2016a). Bei größerenEr-
eignissenkanneineÜberlastungdieserSchutzsystemeeintreten.
HinsichtlichdesBegriffesextremefluviatileFeststoffereignisseexistiertkeine
eindeutigeDefinitionoderminimaleWiederkehrdauer.Eshandelt sichumEr-
eignisintensitäten,diemarkantüber»mittlerenVerhältnissen« liegenoderbis-
her beobachtete Ereignisse in einer gewissen Form übertreffen. In der Regel
variiert die Ereignisintensität entlang einesGewässers und es ist daher immer
auch eine Frage nach demgewählten räumlichenMaßstab. Ein Ereignis kann
sich lokal als extremerweisen (z.B. sehrhoheGeschiebefracht aufgrundeines
seitlichen Geschiebeeinstoßes), aber auf regionaler Sicht kaumwahrnehmbar
bleiben.
Eine Besonderheit von fluviatilen Festststoffereignissen sind zudem deren
unterschiedlicheAuslöseprozesseundEntstehungsmöglichkeiten.Eskannsich
um extreme Einzelereignisse mit entsprechend niedriger Wiederkehrdauer
handeln (z.B. extremes Hochwasser mit Feststofftransport, bevorzugt in fla-
cherenGebirgsflüssen) oder um eineÜberlagerung vonmehreren, ggf. zuein-
ander unabhängigen Ereignissen, die für sich alleine nicht extrem sind (Sze-
narien, vermehrt inWildbächen, lokal auch inGebirgsflüssen).
Sowohl dieEreignisentstehung (Einzelereignis oderKombinationungünsti-
ger Teilereignisse) als auch die Ereignisintensität (zeitlicherVerlauf, Ereignis-
spitzeund -frachten) von fluviatilenFeststoffereignissen resultierenausmulti-
plen Faktoren. Diese Besonderheit erschwert die Definition eindeutiger
GrenzwertefürdenBegriff»extrem«.UmabereinerseitseinegrobeEinordnung
zu ermöglichen, und andererseits eine Basis für die nachfolgenden Ausfüh-
rungen zu schaffen, werden extreme fluviatile Feststoffereignisse in diesem
Sammelbandals jeneEreignissedefiniert,diehinsichtlichderEreignisintensität
(Ereignisspitze, -dauer und/oder -frachten) oder den Auswirkungen (infolge
ungünstigerKombinationvonTeilereignissen)überden100-bis150-jährlichen
Bemessungsereignissen liegen. Ereignisse sind somit auch als extrem einzu-
stufen,wennbeispielsweise dieEreignisspitze jenedesBemessungsereignisses
nicht überschreitet, die ereignisspezfische Sedimentfracht über die Dauer des
Ereignisses aber erheblich größer ausfällt und beispielsweise Rückhaltestruk-
turenüberlastet.
DefinitionenundTerminologie 293
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute