Page - 298 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Image of the Page - 298 -
Text of the Page - 298 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
(Gemeinde Pettneu amArlberg), auf dem der Bach in einem getreppten Kü-
nettengerinnezumVorflutergeführtwird.
Im oberen Einzugsgebiet des Schnannerbaches dominieren Erosionspro-
zesse. SowurdenbeimEreignis am23.August 2005 trotzdes teilweisenRück-
halts hinter der Geschiebedosiersperre 36.000–59.000m3 zum Schwemmkegel
verfrachtet. 20.000–25.000m3wurdendort imGerinne und außerhalb abgela-
gert. DerVorfluter wurdemit bis zu 34.000m3 beaufschlagt. Die Feinfraktion
wurde von der Rosanna sofort abgeführt, Schwemmholz bzw. einhergehende
Verklausungsprozessewurdennichtbeobachtet (BMLFUWetal., 2006;Chiari,
2008;Gemset al., 2014b) (Abbildung03a).
Als relevantes Prozessmuster konnten bei diesem Ereignismassive Anlan-
dungen im Schwemmkegelgerinne infolge hoher und lang anhaltender Fest-
stoffeinträgeausdemEinzugsgebiet definiertwerden.Prozessauslösendwaren
intensiveNiederschläge über die Dauer von etwa acht Stundenmit vorausge-
hender hoher Vorbefeuchtung. Der lang anhaltende, intensive fluviatile Ge-
schiebetransport bedingteProzessintensitäten imBereichderAbfuhrkapazität
des Unterlaufgerinnes und eineÜberlastung des Vorfluters imMündungsbe-
reich in Form von Geschiebeablagerungen. Zeugenaussagen zufolge trat am
22.August2005abdemfrühenAbendintensiver(fluviatiler)Feststofftransport
mit relativ feinemSediment auf, das Schwemmkegelgerinnedes Schnannerba-
ches begann aufzulanden. Trotz Zuhilfenahme von technischem Gerät zur
Freihaltung der Brücken verlandete die Brücke imOrtskern, was eine rasche
rückschreitende Auflandung, beidufrigeÜbersarungen und schließlich groß-
flächige Geschiebeablagerungen im Siedlungsgebiet zur Folge hatte. Im Ver-
gleich zu früheren murgangartigen Ereignissen waren die transportierten
Feststoffe verhältnismäßig feinkörnig. Die Funktionalität und Schutzwirkung
derGeschiebedosiersperrewaraufgrunddersehrgroßenDolenquerschnittenur
eingschränktgegeben.
Als Sofortmaßnahmemusste der Bach in sein ursprüngliches Bett rückge-
führtunddieFeststoffablagerungenamSchwemmkegelgeräumtwerden.Durch
die unmittelbar durchgeführte Ereignisdokumentation und -analyse konnten
derAblauf unddieGrößenordnungdieses extremen fluviatilen Feststoffereig-
nisses rekonstruiertwerden (BMLFUWet al., 2006).Diese Informationenund
nachfolgendeUntersuchungen imWasserbaulabor (Gems et al., 2014b, 2015;
Abbildung03b)bildetendieGrundlage fürdiePlanungenzurAdaptierungder
bestehendenSchutzmaßnahmen(Abbildung03c).Darüberhinauskonntedieses
Ereignis als Fallbeispiel zurValidierungundVerbesserung geschiebehydrauli-
scher Simulationsmodelle (Chiari, 2008; Kammerlander et al., 2016) herange-
zogenwerden.
DieFunktionalität undSchutzwirkungdieserMaßnahmenwurdenbeimbis
datojüngstenSchadensereignisam01.August2018bestätigt.Extreme, lokal im
FluviatileFeststoffereignisse298
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute