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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
jährlichen Bodenabtrags bei der Verwendung vonMulch oder Direktsaat im
Vergleich zu konservativenAnbaumethoden von 39 auf 0,5–4 t ha–1 Jahr–1 be-
ziehungsweise von 6 auf< 1 t ha–1 Jahr–1für verschiedene Regionen des Al-
penvorlands inNiederösterreich.ÄhnlicheWerte (Reduzierungvon4–72 tha–1
Jahr–1auf0,1–46 tha–1 Jahr–1) findensichbeiPollhammer(1997) fürGebiete in
der Steiermark. Diese Ergebnisse sind sowohl einHinweis auf typische Ereig-
nisgrößen als auchMinderungspotentiale durch angepasstes landwirtschaftli-
chesManagement. Extremereignisse liegen in ihremAusmaßwesentlich über
diesenWertenundkönneneinVielfachesvondendurchschnittlichenjährlichen
Bodenabträgen ausmachen. Sowurde der von Pollhammer (1997) gemessene
jährliche Bodenabtrag von 72 t ha–1 imWesentlichen durch ein einzelnes Er-
eignis mit 55 t ha–1 bei 64mm Gesamtniederschlag verursacht. Strauss und
Klaghofer (2004) konnten für einNiederschlagsereignis von 115mmauf fünf
Tage verteilt (ca. 23mmTag–1) einenmaximalenBodenabtrag von ca. 226m–3
ha–1(beziehungsweise345 tha–1)aufzeichnen.DasNiederschlagsereignis,daszu
diesemBodenabtragführte,lagmitseinerWiederkehrwahrscheinlichkeitnurin
einemBereich von5bis 10 Jahren.Dieses Beispiel zeigt, dass die Betrachtung
von extremen Niederschlagsereignissen alleine nicht ausreicht, um extreme
Bodenabträge abzuschätzen.Die vonMabit et al. (2009) imBezirkMistelbach
gemessenen Bodenabträge konventionell bewirtschafteter Flächen zeigen
ebenfallsextremeEinzelereignissederBodenerosioninderGrößenordnungvon
>300 tha–1. GleichzeitigwirdausdenDatenderAutorenklar, dassdieGröße
solcherEinzelereignissedieDurchschnitte derBodenabträge sehr starkbeein-
flussen.
14.3.3 Grünland-undAlmwirtschaft imalpinenRaum
Bodenerosion imGründland der Alpen ist, anders als beim Ackerbau, meist
direkt an jahreszeitlich-meteorologische Bedingungen geknüpft und weniger
abhängigvonder jahreszeitlichenVariabilitätderBodenbedeckung.Besonders
Bodenerosion durch Schneegleiten kannbeachtliche, wenngleich stark variie-
rende Erosionsraten von 0,03 bis 22,9 t ha–1 Jahr–1 (Meusburger et al., 2014),
beziehungsweise etwa 4 t ha–1 Jahr–1 (durch Vieh vorgeschädigtes Grünland;
FelixundJohannes,1995)verursachen.ExtremereEreignissederBodenerosion
sindbisher fürGrünland-undAlmwirtschaft indenAlpennochnichtbekannt.
Alewell et al. (2015) verbinden den tolerierbaren Bodenverlust in alpinem
Grünlandmit derReproduktionsrate derdortigenBöden.Hierbei ist es nötig,
die Böden standortspezifisch nach ihrer Reproduktionsrate zu klassifizieren
unddieWertedemerrechneten, jährlichenAbtraggegenüberzustellen.Fürdas
Urserental im schweizerKantonUri konntenAlewell et al. (2015)Reprodukti-
TypischeundextremeBodenerosion 353
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute