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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
– Tumpen(Tirol):mehreregrößereEreignisseaufengstemRaum(Poscherund
Patzelt, 2000).
– Tschirgant (Tirol): je ein Hauptereignis in den BereichenWeißwand und
Haiming,einNachsturzereignisinHaiming(Patzelt,2012a;Ostermannetal.,
2017).
– Fernpass (Tirol): einHauptereignis, lateral angrenzend sekundäre Felsglei-
tungundtiefgründigaufgelockertebis leichtdislozierteHangflanke(Prager,
2010).
– Steinlehnen (Tirol): historische Sturzereignisse 1821 und 1852 (Heuberger,
1966), rezent aktive Steinschläge und Felsgleitungen 2003 und jünger
(ZangerlundEngl, 2009).
– Pletzachkogel (Tirol):mindestens drei große Ereignisse im Spätglazial und
Holozän(Patzelt, 2012a,b) sowieFelsstürze im20.und21. Jh.
– DieFelslawinevonValPola(Italien,1987)unddieEreignissevonvonRanda
(Schweiz, 1991) werden als Konsequenzen reaktivierter struktureller Schwä-
chezonen interpretiert, wo den neuzeitlichen Sturzereignissen fossile bzw.
historischdokumentierte»Vorläuferereignisse«vorangegangensind(Azzoni
et al., 1992, Sartori et al., 2003).
– Mehrfache Reaktivierungen bzw. Beschleunigungsphasen geringaktiver
prädisponierterHangflanken inverschiedenenenzeitlichenAbständen(von
einigenHundert bismehrerenTausend Jahren)wurden auch an rezent ak-
tiven Felsgleitungen beobachtet, z.B. an den tiefgründigen Massenbewe-
gungenHeinzenberg (Weidner, 2000), La Clapiere (Guglielmi et al., 2005),
S8chillienne (LeRoux et al., 2009), sowie anmehreren Erd-/Schuttströmen
wie z.B.Fürwag (Sausgruber, 2005),Gschliefgraben (Weidinger, 2009)oder
Kerschbaum(HofmannundSausgruber, 2017).
16.2.2 Implikationen für rezenteundkünftigeEreignisse
Kompilierte Altersdatenweisen darauf hin, dass eine Vielzahl von tiefgrün-
digenMassenbewegungen, daruntermehrere geologisch »junge«Großereig-
nisse immittleren und jüngerenHolozän (siehe o.a.) nicht unmittelbar auf
spätglaziale Gletscherrückzüge als Auslöser zurückzuführen sind. Vielmehr
verharrten zahlreiche instabile Hänge nach demEisfreiwerden noch etliche
tausende Jahre in»stabiler«Positionbzw.unter langsamenVerschiebungsra-
ten ohne zunehmende Beschleunigungen bis zum extrem schnellen (»kata-
strophalen«) Versagen. Die Veränderungen der in-situ Gebirgsspannungen
(z.B. durchGletscherrückzüge), sowie der hydrogeologischen, klimatischen
(erhöhte Kluftwasserdrucke, Permafrostrückzug) und/oder seismotektoni-
schen Einflussfaktoren (Erdbeben, nicht nur Auslöser sondern durch Riss-
ZeitlicheEntwicklungvonGroßmassenbewegungen 391
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute