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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
bewegung inden Jahren2012bis 2015eingehenderkundetundwirdbisheute
messtechnisch intensivbeobachtet.Aufgrunddes fundiertenErkundungs-und
Messaufwands (ingenieurgeologische Kartierungen, Kernbohrungen, Bohr-
loch- und Oberflächengeophysik, Laborversuche, automatische Totalstation,
Inklinometer, uvm.) ergeben sich heute interessante Einblicke zu Geologie,
AufbauundGeometrie,HydrogeologieundGeomechanikdieserMassenbewe-
gung. Auch stellt dieMassenbewegung inHinblick auf ein erfolgreich durch-
gefĂĽhrtesMaĂźnahmenkonzept, welches zu einermaĂźgeblichenReduktionder
BewegungenführteundzumVerbleibderBewohnerindenHäusernbeigetragen
hat, eingutuntersuchtes, lehrreichesFallbeispiel dar.
ZahlreichegeomorphologischeIndikatorenweisendaraufhin,dassderHang
voneiner tiefgründigenFelsgleitungerfasstwurde.DazuzählenZerrspalten in
derGratregion,großetreppenartigeAbsätzeimOberhangundeinunregelmäßig
kupiertes Gelände in den mittleren Abschnitten. Auffällig ist ein konkav –
konvexer Geländeverlauf in der Hangfalllinie, welcher Zeugnis für denMas-
senverlagerungsprozess vomOberhang zumUnterhanggibt.DerHöhenunter-
schiedvonderGratregion (2.160mĂĽ.A.) bis zumTalboden (1.150mĂĽ.A.) be-
trägtetwa1.000Höhenmeter.AuchwennSteilstufenbiszu408vorhandensind,
beträgtdiegenerelleGeländeneigungnuretwa238.
DieMassenbewegung ist aus tektonischer Sicht amNordwestranddesTau-
ernfensters situiert (Brandner, 1980,Pichler, 2015).DerSĂĽdhangdesMisljochs
istdabeilithologischundtektonischzweigeteilt.DiepenninischenEinheitender
Matreier Zone und BĂĽndner Schiefer nehmen die unteren zwei Drittel des
Hangesein,darĂĽberfolgtderostalpineInnsbruckerQuarzphyllit(Schmidetal.,
2013). DieMassenbewegungMisljoch setzt sich aus einer tiefgrĂĽndigen Fels-
gleitmasse,der in ihremwestlichenTeilmehrere, zungenförmigeSchuttströme
(LaatschundGrottenthaler1972;CrudenundVarnes,1996;Hungretal., 2014)
auflagern, zusammen (Abbildungen 03und04).Die Bewegungenhaben ihren
Ursprung in der Gratregion, wo Ausstriche tiefer Gleitbahnen in Form von
großen und hohen Geländeabsetzungen anzutreffen sind. Geländeuntersu-
chungen haben ergeben, dass das Versagen imOberhang durch steilstehende
TalklĂĽfteundeiner infolgederFaltung immerwiedernachSĂĽdeneinfallenden
Schieferung strukturell begĂĽnstigtwurde (Pichler, 2015).Ausden tiefenKern-
bohrungengehthervor,dassdieGleitmasseausunterschiedlichstarkzerlegten
FelsschollenmitmehrerenZentimeter bisMetermächtigenbindigenScherzo-
nen (fault gouge, fault breccia) besteht. AnHand der Kernbohrungen konnte
auch die Entstehung der Schuttstromareale geklärt werden. Sie sind aus den
durchdieHangbewegungenaufgelöstenundverwitterten instabilenFelsschol-
len derMassenbewegung entstanden und setzen sich heute aus gemischtkör-
nigemLockermaterial, welches sich langsam talwärts bewegt zusammen (Hof-
mann und Sausgruber, 2017).Wesentlich fĂĽr diesen Bewegungsmechanismus
Felsgleitung,
FelslawineundErd-/Schuttstrom394
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute