Page - 468 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Image of the Page - 468 -
Text of the Page - 468 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
ordnete Rolle bei der Auslösung von Lockergesteinsrutschungen und Hang-
muren.
Seit vielen Jahrzehnten werden Maßnahmen getroffen, um die negativen
Folgen von Extremereignissen bzw. Katastrophenereignissen aufgrund von
LockergesteinsprozessenundHangmuren einzudämmen,was aber nicht voll-
ständig gelingt. Dies liegt einerseits in den planerischen, technischen und
ökonomischenLimitierungen,andererseitsindenbestehendengrundsätzlichen
Wissenslückenbezüglich der Entstehung, demAblauf unddenAuswirkungen
unwetterbedingterLockergesteinsrutschungenundHangmurenbegründet.
EinwichtigesMittel zumVerständnis der imZuge eines Extremereignisses
abgelaufenen Prozesse ist deren sorgfältige Dokumentation und eine digitale
Zusammenführung von Fakten hinsichtlich der Prozesse sowie den Standort-
verhältnissenund-eigenschaften(z.B.Geologie,Vegetation,prozessauslösende
Faktoren).DieKenntnis dieser Fakten ist dann auch einwichtiger Bestandteil
derUrsachenforschungundstellt dieGrundlage fürdieEinleitungvonSofort-
maßnahmen und nicht zuletzt für die Planung von langfristigen Schutzmaß-
nahmendar.
DievollständigeErfassungder inderVergangenheit stattgefundenenund in
der Gegenwart stattfindenden Prozesse ist äußerst schwer, wenn nicht sogar
unmöglich.SchonimJahre1938schriebJ.Stiny:»[…]eineHauptschwierigkeit
bietet die Lückenhaftigkeit der zugänglichenAngaben. Sie fließenumso spärli-
cher,jeweiterwirdieNaturereignissezurückverfolgenwollen«(Stiny,1938).Dies
ist auch noch heute festzustellen, denn je weiter die Ereignisse zurückliegen,
umsounvollständiger und geringer ist dieQualität der zugänglichenProzess-
informationen.
Dies liegt einerseits darin begründet, dass viele Prozesse in entlegenenGe-
bieten stattfindenoder aufgrund ihrerkleinenProzessvoluminaund/oder -flä-
chen keine Aufmerksamkeit erlangen. ImGelände sind diese Prozesse häufig
auchnachkurzerZeit nichtmehr erkennbar, dadie Formennivelliert unddie
bewegtenMaterialien sekundär erodiertwurden.Hinzukommt, dass es keine
flächendeckende systematische, auf Standards basierende Prozessdokumenta-
tiongibt.AndererseitswurdenundwerdenumfassendeErhebungenunmittel-
barnachExtrem-bzw.Katastrophenereignissen leidernurseltendurchgeführt.
Dies liegt oft daran, dass die zuständigen Gebietskörperschaften und die be-
troffene Bevölkerung überwiegend mit den Rettungs- und Aufräumarbeiten
beschäftigt sind, was zu diesemZeitpunkt selbstverständlich oberste Priorität
hat. Allerdings gehen durch die Aufräumarbeiten zahlreiche Prozessinforma-
tionenverloren,die fürdasProzessverständniswichtig sind.DieProzessdoku-
mentation sollte deshalb möglichst unmittelbar nach einem Extremereignis
durchunabhängigeExpertenerfolgen.
ExtremebeiHangrutschungenundHangmuren468
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute