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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
dasHochschwabmassiv imBereichWildalpen.Zwischen02.02.und05.02.2005
gabes inderSteiermarkmehrals200registrierteLawinen,dabeiwurdengroße
FlächenanSchutzwaldvernichtetundesentstandenneueLawinengänge.
20.3.3 Winter 2008/09 inderSteiermark
DerWinter2008/09hatteindensteirischenAlpenaufgrundseinesVerlaufesmit
anfänglich tiefen Temperaturen und darauf folgenden großen Schneemengen
neben zahlreichen künstlich ausgelösten Lawinen auch eine große Anzahl an
spontanen, selbst ausgelöstenLawinenzuverzeichnen.DieseLawinenerreich-
ten zumTeil enormeDimensionenundbeschädigten die Infrastruktur erheb-
lich.
Vergleicht man die Schnee- und Lawinensituation vom Februar 2009 mit
jenervomFebruar2005(inbeidenFällenherrschteGefahrenstufe5mitextrem
großenLawinen), sogibt eskaumÄhnlichkeiten. ImJahr2005gabesdeutlich
größereSchneefallintensitäten,beispielsweisewurdeaufderTauplitzalmeine3-
Tages-Neuschneesummevon289cmregistriert.DerUnterschied indenbeiden
Ereignissenliegtdarin,dasses imFebruar2009an19Tageneinedurchgehende
Nordwest- bisNordströmungbei zwar geringeren, jedoch länger anhaltenden
Niederschlagsintensitäten gab. Sowurde auch die höchste Gesamtschneehöhe
am28.02.2009mit 408cmgemessen.
AufgrundderanhaltendenNiederschläge,diebei recht tiefenTemperaturen
undbeiWindeinflussfielen,mussteam24.02.von»sehrgroßer«Lawinengefahr
indenBereichender steirischenNordalpenausgegangenwerden.
Als Beispiel für dieses Ereignis steht die »Klöchgrabenlawine« in Eisenerz.
Die Lawine ging in den Abendstunden des 24.02.2009 vom Pfaffenstein
(1.871m) im Bereich Kölchgraben nieder. Das Einzugsgebiet der »Kölchgra-
benlawine«istsüdexponiertundweistimAnbruchgebietinca. 1.500mSeehöhe
eine durchschnittliche Hangneigung von 35 Grad auf. Im letzten Drittel der
LawinenbahngingdieGenesederLawinevoneinerStaub- in eineFließlawine
über, sie teilte sich imAblagerungsgebiet indreiAusläufer.Nebeneiner unbe-
kanntenMenge Schadholz wurde ein 110-kV-Hochspannungsmast leicht be-
schädigt sowie zwei unbewohnteGartenhäuser völlig zerstört.AlsUrsache für
den spontanenAbgang fungierte ein solider, dicker Schmelzharschdeckel, der
sich aufgrund der Südexposition im Jänner gebildet hatte. Diese Schmelz-
harschdeckel sindnie Schwachschichten, aber einHort für Schwachschichten,
meist sind es kantige Kristalle. Dieser schwache Schneedeckenaufbau blieb
bis zum Niederschlagsereignis im Februar erhalten, bei welchem ergiebige
Schneemengen über einen vergleichsweise langen Zeitraumvon 19 Tagen ge-
fallenwarenundsichaufdieserSchicht ablagerten.
Lawinen520
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute