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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
(Blättler et al., 1990) und imÖtztal (Gattermayr, 2013)wobei derEinfluss des
GletschersmitderGrößedesEinzugsgebietesunddemabnehmendenVerglet-
scherungsgradraschabnimmt.
22.4 UnsicherheitenundHerausforderungen fĂĽrdieZukunft
Aufgrundder limitiertenDatenbasis fĂĽr alle drei EreignistypenderGletscher-
gefahren ist es nicht möglich, Aussagen über Änderungen der empirischen
Häufigkeiten der Ereignisse oder derenAusmass zu treffen. Extremereignisse
wie SeenausbrĂĽche wurden seit 1927 nicht mehr beobachtet. Auch wenn es
beispielsweise inderSchweizKataster zuGletschernmitpotentiellenGefahren
gibt (http://glacier-hazards.glaciology.ethz.ch/inventar.html) und eine Daten-
bank zu vergangenen Ereignissen existiert (Haeberli et al., 2006) weicht der
derzeitige Ansatz derNaturgefahrenforschung fĂĽr Gletscher von anderenGe-
fahrenprozessendeutlichab. ImVergleichzuanderenNaturgefahrenprozessen,
woEreigniskataster alsBasis fĂĽrPrognosenundRisikanalysenverwendetwer-
den, könnenvergangeneEreignissen imGletscherkontext aufgrundderhohen
Prozessdynamik und den extrem starkenVeränderung der Gletscher imVer-
gleich zur historischen und holozänen Entwicklung nur bedingt für die Vor-
hersage zukĂĽnftiger Ereignisse herangezogen werden (Huggel et al., 2004,).
VielfachsinddieGletscherdurchdenKlimawandelsostarkabgeschmolzenund
soweit zurĂĽckgezogen, dass zukĂĽnftige Ereignisse ganz andere Bereiche be-
treffenalshistorischeEreignisse.EineGefahrenzonierungaufBasishistorischer
Ereignisseistdahernichtmöglich.EineAbschätzungvonGefahrenimglazialen
Prozessbereich kann aber durch den Einsatz von GIS-basierten Ansätzen er-
folgen. DieseModelle liefern zwar nicht Abbildungen der Prozessmuster, er-
lauben aber eine grundsätzlicheAbschätzung vonProzessreichweten undGe-
fahrengebieten (GAPHAZ,2017).
ImUnterschiedzurSchweiz,inderdieErforschung,Inventarisierungunddas
MonitoringgefährlicherGletscherschonseit langembetreibenwurde(etwafür
Gletscherhochwässer von Haeberli, 1983 oder in der Synthese des Inventars
gefährlicher Gletscher) gibt es noch keine spezifischen Analysen von Glet-
schergefahrenodereinGletschergefahrenkataster inĂ–sterreich.
Während in der Schweiz 84 Gletscher durch Analyse der historischenDo-
kumente undder gegenwärtigen Situation als gefährlicheGlestcher inventari-
siertsind,vondenen53kurz-bismittelfristigSchädenanrichtenkönnen,gibtes
fĂĽr Ă–sterreich keine entsprechende Zusammenstellung. Der Sachstand fĂĽr
Österreich besteht also auf Prozessanalysen von Einzelfällen aus der Vergan-
genheit. Auch die Grundlagenforschungen zu den Prozessen wurden haupt-
sächlich inderSchweizundinFrankreichdurchgeführt, etwazuMechanismen
Gletschergefahren576
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute