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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
oder vollständig entwaldet bzw. dieWaldgrenzedeutlich gedrückt – einRelikt
der frühenNutzung und Besiedlung dieser Talschaften, oft schon seit vorge-
schichtlicher Zeit (Wopfner, 1951; Schiechtl und Stern, 1983). Nur eine Ein-
schränkungodereinVerbotderHolznutzung indengefährdetenLagenkonnte
Abhilfe schaffen.EinMittel hierzuwardieAusmarkungvonBannwäldern,wie
sie auch für andere Zwecke, z.B. zur Sicherung vonHolz für bestimmteAuf-
gaben, oder auch nur zur Ermöglichung der Regeneration übermäßig bean-
spruchter Waldflächen bereits für die mittelalterliche dörfliche Gemein-
schaftsnutzunghäufigdurchgeführtwurde.
Weitaus gefährlicher aberwar dieKahlschlagnutzung für SalinenundHüt-
tenwerke.Ab dem ausgehendenMittelalter wurden für den Bergbau enorme
MengenanHolzbenötigt. Seitdem13. Jh. ist z.B.dieSalzgewinnung imInntal
dokumentiert.AuchLandesordnungen, z.B.1532zurRegulierungderAusfuhr
von Fichte, Lärche und Zirbe, konnten den Raubbau an diesen Schutzwald-
hauptbaumarten nicht eindämmen. Die Saline forcierte großflächige Kahl-
schläge.Diese erfolgenzumeist nachMast- bzw. Samenjahren,umdieFlächen
raschwieder in Bestand zu bringen. Viele der bis ins 18. Jh. durchgeführten
Großkahlschläge bewirkten jedoch eine Verarmung der Standorte und eine
deutliche Ertragsminderung für die Folgegenerationen in vielen Talschaften
(Stern, 1966).
TrotzdieserExploitationwurdebereitsabderbeginnendenNeuzeitversucht,
über Holzordnungen oder »Waldbereitungen« dem Waldschutzgedanken
Rechnung zu tragen. In einer kaiserlichen Bergwerksordnung findet sich ein
Schlägerungsverbot als Schutz gegen Schneeverwehungen. Gegen Erdverwe-
hungen richtet sich der Entwurf einer Waldordnung von Erzherzog Karl II.
(Tersch, 1994).Da jedochviele der handelndenPersonendemBergbauunter-
standen, dienten solcheMaßnahmenwieder primär der gesichertenHolzver-
sorgung fürdenBergbau (z.B. Stern, 1966).
NebenderHolzversorgung für denBergbauwurde versucht, denBedarf an
landwirtschaftlichen Flächen durch Anlage von Blößen im Wald, also der
Schaffung vonBergmähdern imWaldgürtel zudecken.Über 500 Jahrewährte
daher einKampf zwischen der Saline unddenGemeindender schlussendlich
1847 in der »Waldpurifikation«mit einemSieg derGemeinden endete (Stern,
1966). Dadurch brach jedoch eine erneute Periode unkontrollierterWaldnut-
zung aus, deren Folgen teils bis heute sichtbar sind, z.B. in Formvon »Plün-
derwäldern« (aufgelichtete Bestände, vielfach bis auf kleine Kronen geastet)
oder degradierten Böden als Folge der Streunutzung. Diese unkontrollierten
Eingriffe hatten z.B. in den Seitentälern des TirolerWipptales eineWaldre-
duktionumca.15%zurFolge (Stern, 1966).AuchdieHäufungvonLawinen-
ereignissenEndedes19. Jhs.undindererstenHälftedes20. Jhs. trugvielerorts
maßgeblichzurReduktionderWaldflächebei.
DerSchutzwald–SchutzdurchWald 627
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute