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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Einfluss auf tiefgründigeRutschungendurchdieEntwässerungderRutschung
imEinzugsgebietzugeschrieben(z.B.Frehneretal.,2005;Bollingeretal.,2008;
Giamboni, 2008), da die bodenstabilisierendeWirkung von Baumwurzeln im
Verhältnis zur Lage der Gleitflächen nicht tief genug reicht. Demgegenüber
beeinflussen das Vorkommen von Wald und der Waldzustand deutlich das
Auftreten (Anbrechen) als auch die Reichweite flach- bis mittelgrĂĽndiger
spontaner Lockergesteinsrutschungen (z.B. Glade, 2003;Markart et al., 2007;
Moos, 2014;Reichenbachet al., 2014).
GehölzeverringerndieNiederschlagsintensitätamBodenundkönnendurch
Wirkungen auf denBodenzustandunddenAusgleichdesBodenwassergehalts
zur Ufer- und Hangstabilität beitragen (z.B. Keim und Skaugset, 2003). Der
Interzeptionspuffer und die Hangentwässerung durch die Evapotranspiration
beeinflussenaber imVerhältnis zurWurzelkohäsion inhumidenRegionendie
Hangstabilität nur wenig (z.B. Sidle und Ziegler, 2017) mit saisonalen und
niederschlagsspezifischenUnterschieden.AlsentscheidenderMechanismusder
Schutzwirkung desWaldes gilt die Armierung des Bodens durch die Baum-
wurzeln (z.B. Schwarz et al., 2013;Vergani et al., 2014).Diese Schutzwirkung
habenauchWurzelstöckenochbisetwa5bis10(15)JahrenachderFällung(z.B.
Vergani et al., 2016). Die Bodenarmierung ist an steilenUferböschungenund
Grabeneinhängen–alsoinBezugaufUferrutschungen–geringeralsanHängen
ohne Einfluss des Gerinnenetzes (Furbish und Rice, 1983). Bei einer Unter-
schneidung des Böschungsfußes durch das Fließgewässer unter denWurzel-
horizont ist die stabilisierendeWirkungderBestockungaufderUferböschung
begrenzt (z.B.AbernethyundRutherfurd, 1998).
LebendeBaumbestockungenundTotholzkönnenamHangundinGerinnen
niedriger Ordnung Hangrutschungen bzw. Geschiebe zurĂĽckhalten und da-
durchVermurungenreduzieren(Johnsonetal.,2000;MayundGresswell,2003;
Lancasteret al., 2003).
Mehrere Studien kommen ĂĽbereinstimmend zum Schluss, dass vor allem
ältere,geschlosseneBaumholzbeständeohnegrößereLückenvorderAuslösung
vonRutschungen schĂĽtzen. Relativ hoheRutschungsdichten treten inLĂĽcken,
BlößenundJungwaldbeständenbisindasDickungsstadiumauf(z.B.Robisonet
al., 1999;Casadei et al., 2003;Miller undBurnett, 2007;Moos, 2014;Perzlund
Rössel, 2017).
Der Grund dafür dürfte das tiefgründigereWurzelsystem älterer Bestände
und das differenziertere Wurzelsystem stufiger Bestände im Vergleich mit
Jungwaldsein.AuchdasBestandesgewichtvonStarkholzbeständenkönntesich
positivbeinichtbindigen, flach-bismittelgründigenBöden,die zuRinnenan-
brüchenneigen,auswirken(Medicus,2009).DerEinflussderAuflastderBäume
istabergering,sodassHangentlastungdurchSchlägerungstarkerBäumenurbei
bereits aktivierten tiefgründigenRutschungenzweckmäßig ist.
SchutzwaldundNaturgefahren 639
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute