Page - 683 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
Image of the Page - 683 -
Text of the Page - 683 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
zwischen auslösendemEreignis (beispielsweise intensiver, aber diskontinuier-
licherNiederschlag) undderReaktion imSystem (beispielsweise Bildung von
Murgängen infolge von Erosion undMobilisierung von Feststoffen in einem
Gerinnebett) nicht konstant ist.Deshalbwerden stattdessenhäufig auslösende
Schwellenwerte verwendet, um indirekt dieWahrscheinlichkeit desAuftretens
eines bestimmtenBemessungsereignisses zu ermitteln, und eswird angenom-
men, dass eine Relation zwischen demAuftreten einer Naturgefahr und dem
auslösendenEreignisbesteht (Fuchs, 2009).
Auchwenn das Konzept der physischenVulnerabilität in den letzten Jahr-
zehnten Gegenstand umfangreicher Forschungsaktivitäten und zahlreicher
praktischer Anwendungen gewesen ist, bestehen nachwie vor erhebliche LĂĽ-
cken in Bezug auf standardisierte funktionale Zusammenhänge zwischen ein-
wirkendenKräftendurch auftretendeGefahrenprozesse unddenverursachten
strukturellen Schäden (Papathoma-Köhle et al., 2017). Diese Lücken ergeben
sich zu einemgroĂźenTeil ausdemallgemeinenMangel anverfĂĽgbarenDaten,
insbesondere inBezugauf (1)die Schadenshöheund (2)die tatsächlichaufge-
tretenenundfürunterschiedlicheSchadensbilderursächlichenSchäden(Fuchs
etal.,2018).FolglichwerdenmöglicheSchädenaufgrundzukünftigerEreignisse
häufig nur auf der Grundlage vorhandener empirischer Beobachtungen vor-
hergesagt(Fuchsetal.,2007;Totschnigetal.,2011;Papathoma-Köhle,2016).Als
Konsequenz spiegeln die Ergebnisse das durchschnittlich erwartete System-
verhalten (erwarteteZerstörungdurcheinwirkendeKräfte) füreinebestimmte
Anzahl gefährdeter Elemente wider, beispielsweise die gesamte Fläche eines
Wildbachkegels oder einesLawinenauslaufbereichs, die theoretischvoneinem
Bemessungsereignis bestimmterGröße betroffen sein kann.WieEreignisse in
derVergangenheit zeigten,werden jedochbei einemEreignis häufig nurTeile
eines Ablagerungs- oder Auslaufbereiches betroffen, was operationell durch
räumliche Reduktionsfaktoren berücksichtigt werden sollte (beispielsweise
BMLFUW,2005).DaderWiderstandgegenAufprallkräfteauchvonderArtder
exponierten Risikoelemente abhängt, die typischerweise eine hohe räumliche
Variabilität aufweisen, ist die Bestimmung der physischenVulnerabilität sehr
zeit- und damit kostenintensiv. DarĂĽber hinaus sind die Auswirkungen be-
stimmter Naturgefahrenprozesse im Auslaufbereich noch nicht vollständig
untersucht, sodassmodellierteStaudrückeoftnureinegrobeAbschätzungdes
realen Systemverhaltens darstellen. In Bezug auf alpineNaturgefahren gab es
Beispiele, wo eine Lawine ein senkrecht zur Lawinenachse gelegenesGebäude
zerstörte (imWeilerValzur,Paznaun,Österreich, imFebruar1999),undesgab
Fälle, indeneneinsolchesGebäude inderLagewar, eineLawinevollständigzu
stoppen (im Dorf Airolo, Tessin, Schweiz, Februar 1951). Zusammenfassend
lässt sich sagen, dassdieKomponentederphysischenVulnerabilität innerhalb
der Risikoanalyse fĂĽrNaturgefahren aufgrund fehlender experimenteller oder
UnterschiedlicheDimensionenvonVulnerabilität 683
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute