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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
zentriertesichdieVulnerabilitätsforschungaufdasVerständnis,wieIndividuen
und Gruppen auf Katastrophenereignisse reagierten (Pelling, 2003). Folglich
fokussiertendieManagementempfehlungeneheraufKatastrophenreaktionund
-wiederherstellungalsaufdieVerringerungderAnfälligkeitbestimmtersozialer
Gruppen.ImGegensatzdazuentwickeltensichneomarxistischeTheorieninden
Sozialwissenschaften, dieKatastrophenunddie zugrunde liegendeVulnerabi-
litätalseingebettetinsozialeStrukturenbetrachteten(Hewitt,1983),wasesdem
Management von Naturgefahren und -risiken erlaubte, die Bereitschaft einer
Gesellschaft zur Reduktion der Vulnerabilität in dieHandlungsempfehlungen
miteinzubeziehen. einzubeziehen,umdieAnfälligkeit zu reduzieren.
WieCutter (1996) feststellte, gibt es in den Sozialwissenschaften keine ein-
deutigenundweitgehendübereinstimmendenDefinitionenvonVulnerabilität,
im Gegensatz dazu unterscheiden sich Mehrfachdefinitionen nicht nur in
mehreren Graden der Freiwilligkeit bei der Bewältigung von Naturgefahren,
sondern berĂĽcksichtigen auch individuelle sowie soziale EinflĂĽsse. Diese sind
gefiltert durchbestimmteBedingungen, die dieRisikowahrnehmungeines In-
dividuumsbestimmen.DaskulturelleUmfeldbietetdabeidieBasis,undsoziale
FaktorenverstärkendieWahrnehmungvonVulnerabilität.SozialeFaktoren,die
die Bewertung der Vulnerabilität bestimmen, interagieren mit individuellen
FaktorenwiedemGradderFreiwilligkeit(wiefĂĽhlensichIndividuengegenĂĽber
einerGefahrausgesetzt?),derpersönlichenErfahrungausfrüherenEreignissen,
derBetroffenheit undgenerellenLebenseinstellung, entwickeltenAnpassungs-
strategien und derVerarbeitung von Informationen. SchlieĂźlich fĂĽhrt die Be-
wertung der Vulnerabilität zu Anpassungs- und Bewältigungsstrategien, um
entweder die Gefährdung zu kontrollieren oder die Schadensanfälligkeit zu
verringern.Vulnerabilität ist indenHandlungenundmultiplenAttributenbe-
teiligter Akteure verwurzelt, manifestiert sich gleichzeitig auf mehr als einer
(zeitlichen und räumlichen) Skala und ist durchmultiple Belastungen (siehe
auchBirkmann,2006)undKommunikationbeeinflusstundgesteuert(Downing
et al., 2005). Folglich ist das Konzept der sozialen Vulnerabilität in das Ge-
samtkonzept der Vulnerabilität – wie auch immer definiert – eingebettet und
bezieht sich auf mehr als sozialeMerkmale von Individuen und Teilen einer
Gesellschaft, da auch Merkmale potenzieller physischer Exposition umfasst
werden(Cutteret al., 2003).
Zahlreiche Rahmenwerke, konzeptionelle Modelle und Techniken zur Be-
wertung von Vulnerabilität wurden diskutiert, um sowohl die theoretischen
Grundlagen als auch die praktische Anwendung des Konzepts der sozialen
Vulnerabilität voranzutreiben.EinedetaillierteDarstellungwürdedenRahmen
dieses Kapitels sprengen, vgl. beispielsweise Adger (2006), McLaughlin und
Dietz(2008)oderCutteretal. (2008)–allengemeinsamisteineArgumentation
imSinne einer sozial-ökologischenPerspektive und integriertenMensch-Um-
Vulnerabilität694
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute