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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
sondern zu einemKonzept, das komplementäre Einsichtenbietet, die für eine
tieferesVerständnisvonGefahrundRisikonotwendigsind.NachderDefinition
von Vulnerabilität in den Naturwissenschaften ist ein funktionaler Zusam-
menhang zwischendemGefährdungsereignis (Magnitude)unddenSchadens-
bildernexponierterWertedieVoraussetzung fĂĽr eineQuantifizierungderVul-
nerabilität. Die Exposition definiert die Anfälligkeit der gefährdeten Werte
durchdieGefährdungaufgrundihrerLageimEinflussbereichdesProzessesund
der fehlendenResistenz (physischeVulnerabilität).Aufder anderenSeitewird
dasKonzeptdesRisikosindenSozialwissenschaftendurchdieĂśberschneidung
zwischenGefahrenbereichundderGesellschaft erklärt; gefährdeteWertewer-
den als Teil der Gesellschaft verstanden. Soziale Vulnerabilität ist daher eine
Prädisposition für SchädenaufgrundungünstigerBedingungen, vordefinierter
Merkmaleundrelativer SchwächenvonTeilenderGesellschaft imZusammen-
hangmit sozialen Faktoren. Diese beiden Ansätze zur Bestimmung vonVul-
nerabilität sind verbunden durch (1) die ökonomischeVulnerabilität, die von
physischer und sozialer Vulnerabilität abhängt, da Individuen oder Gesell-
schaftennichtgefährdet seinkönnen,wennsienichtbedroht sind,und(2)der
institutionellenVulnerabilität, die sich aufgrundderRahmenbedingungen für
eineGesellschaft und ihre Individuenergibt. PhysischeVulnerabilität führt zu
Verlusten, die wiederumwirtschaftliche Anfälligkeit für Individuen oder die
Gesellschaft verursachen. Umgekehrt bedingen institutionelle Rahmenbedin-
gungen ineinerGesellschaftdieHöhederphysischenVulnerabilität,wennBe-
wältigungsstrategien entwickelt und umgesetzt werden. Beide Konzepte, das
Konzept der Vulnerabilität aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und aus
naturwissenschaftlicherPerspektive, ergänzensich ineinemKreislauf.
Eshatsichgezeigt,dassinBezugaufdieunterschiedlichenVulnerabilitätenin
Ă–sterreich erst wenig bekannt ist, vor allem inHinblick auf Extremereignisse
(definiert als jene Ereignisse, die jenseits öfter wiederkehrender »normaler«
Ereignisse liegen,undentsprechendhöhereAuswirkungenhaben).
27.5 Empfehlungen
Naturgefahrenmanagement erfordert Strategien zur Verhinderung bzw. Re-
duktion von Schäden aus Elementarereignissen, dies erfordert unter anderem
die konsequente Anwendung von strategischen Instrumenten wie Raumpla-
nung, RisikokommunikationundRisikotransfer. Auf der anderen Seite – und
dies hat die Recherche zur Vulnerabilität gegenüber Extremereignissen in
Österreichdeutlichgezeigt–istbislangfürvieleProzesstypenwenigbekanntin
HinblickaufeineUrsache-Wirkungs-BeziehungzwischenProzessverhaltenund
zu erwartendemSchadenausmaĂź. DasGros derArbeiten aus demBereichder
Vulnerabilität706
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute