Page - 173 - in Faust. - Eine Tragödie., Volume 1
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Im Elend! Verzweifelnd! Erbärmlich auf der Erde lange verirrt und nun
gefangen! Als Missethäterinn im Kerker zu entsetzlichen Qualen eingesperrt
das holde unselige Geschöpf! Bis dahin! dahin! – Verräthrischer,
nichtswürdiger Geist, und das hast du mir verheimlicht! – Steh nur, steh!
wälze die teuflischen Augen ingrimmend im Kopf herum! Steh und trutze mir
durch deine unerträgliche Gegenwart! Gefangen! Im unwiederbringlichen
Elend! Bösen Geistern übergeben und der richtenden gefühllosen
Menschheit! Und mich wiegst du indeß in abgeschmackten Zerstreuungen,
verbirgst mir ihren wachsenden Jammer und lässest sie hülflos verderben!
Mephistopheles.
Sie ist die erste nicht.
Faust.
Hund! abscheuliches Unthier! – Wandle ihn, du unendlicher Geist! wandle
den Wurm wieder in seine Hundsgestalt, wie er sich oft nächtlicher Weise
gefiel vor mir herzutrotten, dem harmlosen Wandrer vor die Füße zu kollern
und sich dem niederstürzenden auf die Schultern zu hängen. Wandl’ ihn
wieder in seine Lieblingsbildung, daß er vor mir im Sand auf dem Bauch
krieche, ich ihn mit Füßen trete, den Verworfnen! – die erste nicht! – Jammer!
Jammer! von keiner Menschenseele zu fassen, daß mehr als ein Geschöpf in
die Tiefe dieses Elendes versank, daß nicht das erste genugthat für die Schuld
aller übrigen in seiner windenden Todesnoth vor den Augen des ewig
Verzeihenden! Mir wühlt es Mark und Leben durch das Elend dieser einzigen,
du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin.
Mephistopheles.
Nun sind wir schon wieder an der Gränze unsres Witzes, da wo euch
Menschen der Sinn überschnappt. Warum machst du Gemeinschaft mit uns,
wenn du sie nicht durchführen kannst? Willst fliegen und bist vorm
Schwindel nicht sicher? Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?
Faust.
Fletsche deine gefräßigen Zähne mir nicht so entgegen! Mir eckelts! –
Großer herrlicher Geist, der du mir zu erscheinen würdigtest, der du mein
Herz kennest und meine Seele, warum an den Schandgesellen mich
schmieden? der sich am Schaden weidet und am Verderben sich letzt.
Mephistopheles.
Endigst du?
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Faust.
Eine Tragödie., Volume 1
- Title
- Faust.
- Subtitle
- Eine Tragödie.
- Volume
- 1
- Author
- Johann Wolfgang von Goethe
- Date
- 1808
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 188
- Keywords
- Literatur, deutsch, Deutschunterricht, Lektüre, Mephisto, Teufel, Faustus
- Categories
- Weiteres Belletristik