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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 294 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des Kaisertums294 über das sich ausbreitende Luthertum erinnert Ferdinand den Bruder daran „quantum debeat deo immortali, qui illam omnibus suis fidelibus in seculari potestate proposuit, cuiusque munere adepta est Romanum imperium, tot regna et dominia et in dies per victoriam nova accipiat, quantum item ecclesiae suae sanctae, quam tanquam primus defensor et advocatus ab omni labe illesam et in sincera fidei puritate servare debet et tenetur, atque huic quoque nationi, in qua primum hoc malum pullullavit et in reliquas iam nationes et regna proserpit“265. Das Kaisertum ist also von Gott verliehen (ebenso alle anderen Herrschaften Karls), um die Kirche, deren vornehmster Verteidiger der Kaiser ist, beim rei- nen Glauben zu bewahren; dazu muß er auch gegen die neue Häresie in Deutschland einschreiten. Die persönliche Verpflichtung wird unterstrichen durch den Hinweis, es wäre ein großes Unglück, wenn die Geschichte von Kai- ser Karl berichten müßte, er wäre dieser Sekte nicht Herr geworden266. Auf derselben Linie liegt der andernorts besprochene Appell an den Kaiser aus dem Jahr 1527, als Oberhaupt der Christenheit dem infolge der Eroberung Roms in seine Gewalt geratenen Papst die Einberufung des Generalkonzils abzuzwin- gen267. Als zweite Komponente tritt alsbald die Abwehr des äußeren Feindes der Christenheit hinzu, der Türken. Ferdinand hat sie besonders eindringlich in einem Schreiben an Karl zum Ausdruck gebracht, in dem er die Bedingungen des Sultans für einen Waffenstillstand erörtert268: Trotz aller rationalen Gründe, die für den geforderten Verzicht auf Ungarn sprächen, kommt er zu dem Schluß, es sei mit der Ehre und Verantwortung eines christlichen Herrschers – und damit meint er sowohl sich selbst als auch den Kaiser – unvereinbar, zahl- reiche Christen dem Schicksal türkischer Beherrschung zu überlassen mit ge- fährlichsten Folgen für ihr Seelenheil, es sei denn mit ausdrücklicher Zustim- mung des Heiligen Vaters und aller christlichen Herrscher. Auch wenn die Argumente keine neuen Gedanken enthalten, „schablonenhaft“ (Rill) wirken, sollte man in Rechnung stellen, daß die Belagerung Wiens durch das Heer des Sultans, die Ferdinand aus der Nähe erlebt hatte – er hielt sich in Linz und Prag auf –, mit ihren Folgen für seine Untertanen erst 18 Monate zurücklag; hinter den formelhaften Wendungen wird die persönliche Betroffenheit verborgen, um desto eher beim Kaiser Widerhall auszulösen. Die Kaiservorstellungen seines Bruders waren Ferdinand insoweit vertraut, als er die Propositionen zu den Reichstagen kannte, in denen sich gelegentlich grundsätzliche Aussagen zum kaiserlichen Amt finden. So hatte sich Karl V. in seiner ersten Proposition, zur Eröffnung des Wormser Reichstages 1521, zu der Bindung des Reiches an die deutsche Nation bekannt, hatte versprochen, dem Reich zu neuem Gedeihen verhelfen und dafür alle seine Fähigkeiten und auch die Macht Spaniens einsetzen zu wollen, und als weitere kaiserliche Aufgabe die „merung und erhöhung unsers heiligen glaubens“ und die Vertilgung seiner 265 KF 1, Nr. 76, S. 161. 266 Mit Recht sieht Rill, Fürst, S. 64, darin auch eine Kritik Ferdinands an Karl. 267 Vgl. Kapitel 6, S. 362f 268 Budweis, 17.3.1531, in: KF 3, Nr. 470, S. 66–80, bes. S. 70, 77, 79; vgl. zu diesem Brief Rill, Humanismus, S. 570f. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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