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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 295 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Anmerkungen zur Kaiserauffassung Ferdinands 295 Feinde bezeichnet269. Was hier allgemein formuliert war, war dann in der per- sönlichen Erklärung Karls V. vor den Reichständen nach Luthers Auftritt prä- zisiert worden270, bei der Ferdinand persönlich zugegen gewesen war. Ebenso hatte Ferdinand miterlebt, wie Karl V. 1530 die Rolle eines Schiedsrichters in der Glaubensfrage beansprucht hatte271. Die kaiserliche Adresse an die katholi- schen Reichsstände vom 10./11. September 1530 kannte er genau, hatte er doch den Auftrag gehabt, zusammen mit dem Pfalzgrafen Friedrich die Übertragung der in französischer Sprache abgefaßten, sehr wahrscheinlich vom Kaiser selbst konzipierten Erklärung ins Deutsche zu überwachen272. Allerdings war diese wie die vorigen Verlautbarungen in der Hauptsache auf die eine Komponente konzentriert, daß der Kaiser der „beschirmer“ („protecteur“) der ganzen Chri- stenheit und „haubt und rechter naturlicher her“ der Reichsstände („souverain, droict et naturel seigneur“) sei und als solcher „meher auctoritet und reputation von got hadt als sy“273. Daraus hatte Karl als seine Pflicht abgeleitet, sich mit allen Mitteln für die Einheit der Kirche einzusetzen, wozu sowohl Bemühen um die Einberufung eines Konzils als auch notfalls Vorgehen gegen die „Abge- wichenen“ gehörte. Wie Peter Rassow dargelegt hat, dokumentierte Karl V. damit, „daß für ihn Imperium im christlichen und spirituellen Sinne eben die res publica christiana sei, für die er als Kaiser die Verantwortung trage“; er hielt an der mittelalterlichen „Vorstellung von der grundsätzlichen Koinzidenz von Imperium und Ecclesia“ fest274. Diese Auffassung vom kaiserlichen Amt hat Ferdinand zweifellos geteilt und bis zu seinem Lebensende festgehalten. In einem seiner persönlichsten Doku- mente, seinem umfangreichen eigenhändigen Mahnschreiben vom 1. Januar 1563 an seinen Schwiegersohn, den Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve, findet sie sich wieder275. In diesem während der dritten Tagungsperiode des Konzils in Trient verfaßten Text bezeichnet Ferdinand Papst und Kaiser als die von Gott eingesetzten höchsten Obrigkeiten, denen „inn weltlichen und gaistlichen din- gen, so viel es wieder gottes gepott nit ist, die gehorsam zue laysten“, und weist die immer wieder von protestantischer Seite für Nichtbefolgung vorgebrachte Begründung, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen, als hier nicht angebracht zurück, „dieweil wir als obrigkaitt nichts befehlen, das wieder got ist“. Darum empfand er das Verhalten der Protestanten als Respektlosigkeit 269 DRTA 2, S.153–156, bes. S. 153f. In einer anderen Passage wurden das Reich und Spanien schon wie gleichberechtigt nebeneinander gestellt. 270 DRTA 2, S. 594–596. Gegen die Deutung als „persönliche Erklärung“ hat Lutz, Das Reich, S. 68f, Einwände erhoben. Aber selbst wenn der Text nicht von Karl V. selber, sondern von seinen Räten verfaßt wäre, hat der Kaiser ihn sich dadurch, daß er die Stellungnahme persönlich an- kündigte, voll zu eigen gemacht. 271 Die Proposition von 1530 bei Förstemann 1, S. 295–309, zur Glaubensfrage bes. S. 308 272 Rassow, Kaiseridee, S. 62 mit Anm. 57 273 Nachdem Rassow, Kaiseridee, S. 401–405, die französische Version ediert hatte, hat Herbert Immenkötter die deutsche Version im HHStA Wien, MEA RTA 5/2, fol 268r-271r, entdeckt und mit guten Gründen auf den 11. September 1530 datiert (S. 82 Anm. 7). Die Zitate aus fol 268v. 274 Rassow, Kaiseridee, S. 65; vgl. ebda, S. 28 275 Ediert von Laubach, Mahnschreiben; die folgenden Zitate S. 104 u. S. 105 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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