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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 305 -
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Page - 305 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Zur Reaktion der „Öffentlichkeit“ im Reich 305 gekommen, und distanziert sich in diesem Punkt von seinem Lehrer Alciatus341. Seine anschließenden Bemerkungen zeigen, daß es ihm nicht darauf ankommt, die Rolle des Papstes zu betonen, sondern Zwischenstationen bei den Galliern oder Franken zu verneinen; dafür führt er keinen geringeren Kronzeugen an als Innozenz III. Ferner betont er, Karl der Große sei, wie historisch erwiesen sei, in der Nähe von Mainz geboren, also ein Deutscher gewesen, und das Reich führe als Zeichen den (römischen) Adler342. Daß das gegenwärtige Herrschafts- gebiet der Kaiser mit dem der alten römischen Imperatoren kaum etwas gemein habe und die Kaiser von sieben deutschen Fürsten gewählt würden, läßt Zoan- netti nicht als Einwände gelten343, sondern bekräftigt: „consequens est, desi- gnatum ex Germanis Caesarem non unitis duntaxat provinciae Germaniae esse moderatorem: sed universi orbis atque Romanae Reipublicae esse & dici (acce- dente Pontificis Maximi decreto atque coronatione) merito Imperatorem“344. Dieser Zusatz, die päpstliche Zustimmung und Krönung müßten hinzukom- men, beinhaltet allerdings eine wesentliche Abweichung von den anderen Auto- ren im Umkreise Ferdinands. – Zoannetti bildet gleichsam eine Brücke zu den evangelischen Reichspublizisten des 17. Jahrhunderts, denn eine beträchtliche Anzahl seiner Argumente findet man bei jenen wieder345. Aus welchem Anlaß die als Rede an die Deutschen stilisierten Betrachtungen von Julius Pflug über die Sanierung des deutschen Staates bzw. des Reiches entstanden und 1562 publiziert worden sind, geht aus der Schrift selbst nicht hervor346. In der neueren Forschung hat sie keine Beachtung gefunden347. Pflug hatte sich zu dem Thema schon einmal, im Sommer 1547 nach dem Sieg Karls V. über den Schmalkaldischen Bund, in einer vom jüngeren Granvella angefor- derten Denkschrift geäußert; einige der in der Oratio ausgeführten Vorschläge finden sich bereits dort348. Man könnte erwägen, Pflugs Schrift der Propaganda für die Königswahl Maximilians zuzuordnen. Allerdings ist sie keine Lobrede auf den Eligendus, dessen nur mit wenigen preisenden Sätzen gedacht wird349, desto mehr aber auf die habsburgischen Kaiser, besonders die letzten, und der 341 Zoannetti, S. 315. Alle Theorien, nach denen die Translation später erfolgt sei, lehnt er ab; als Beweis dient ihm die Dekretale „Venerabilis“. 342 Zoannetti, S. 315f 343 Er weist damit Argumente zurück, die später auch Bodin anführen sollte (vgl. Hammerstein, Imperium, S. 194). 344 Zoannetti, S. 319 345 Eingehend zu den evangelischen Theorien M. Heckel, Staat, S. 147ff. Vgl. auch Hammerstein, Imperium, S. 195, der Zoannettis Traktat unter den Vorläufern nicht erwähnt. Er war den späte- ren Theoretikern sicher bekannt, denn die Ausgabe der Opera omnia von 1600 ist von Vultejus gefördert worden (vgl. die Vorrede). 346 De republica Germaniae seu imperio constituendo, D. Julii episcopi Numburgensis Oratio ad Germanos. Köln 1562, 103 S. Nachdruck bei M. Goldast: Politica Imperialia ... , Frankfurt am Main 1614, S. 658–681 unter dem Titel „Oratio de ordinanda Republica ad Germanos“ mit der Jahresangabe 1566 (Pflug ist schon 1564 verstorben). Ich zitiere nach dem Kölner Druck. 347 Jansen 2, S. 149–159, hat eine zwischen Übersetzung und Referat pendelnde, insgesamt unzurei- chende Inhaltsangabe versucht. Pollet ist in seiner Biographie nicht auf sie eingegangen. Eine wünschenswerte genauere Untersuchung kann hier nicht geleistet werden. 348 Gedruckt in ARC 5, S. 39–57 349 Pflug, S. 89f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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