Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 309 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 309 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 309 -

Image of the Page - 309 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 309 -

Zur Reaktion der „Öffentlichkeit“ im Reich 309 cher Unterschied zu Zoannetti. Schwendi kommt zu dieser Position aus der Einsicht, das Kaisertum sei schon seit längerer Zeit praktisch nur noch ein Ti- tel366 – eine These, mit der er ebenfalls erheblich weiter geht als Seld. Das Reich sei aus vielen Gründen zerrüttet, was auch Karl V. nicht habe ändern können, jedoch sei eine Besserung dadurch eingetreten, „als bey den volgenden kaysern die Regierung wider gar teutsch worden und sich dieselben ... allein umb die teutschen sachen haben angenommen“367. Daran schließen sich dann weitläufi- ge Ausführungen an, daß nur diese Linie in der konkreten, für das Reich recht gefahrvollen Situation erfolgverheißend sei. Wie Seld (und andere) sieht Schwendi die entscheidende Ursache für den Niedergang der kaiserlichen Stellung in der Einmischung der Päpste in weltli- che Angelegenheiten und der von ihnen betriebenen Aufwiegelung anderer Nationen gegen die Deutschen368. Das Kaisertum ist für ihn ein Rang, den sich die Deutschen allein erkämpft haben. Karl der Große ist für ihn selbstverständ- lich ein Deutscher, und wie Pflug erwähnt auch Schwendi die Krönung des Karolingers durch den Papst mit keinem Wort. Ebenso ist die Translationstheo- rie für ihn kein Thema. Zu den wichtigsten Aufgaben des Kaisers gehört es, „als höchste teutsche oberkeit vermög irs amts, baide thail irer mängel und gebre- chen christlich und nottürfftiglich zu erinnern“ und zur Abstellung anzuhalten, weil dadurch gegenseitige Polemik unterbunden werden könne369. Vor allem aber ist der Religionsfrieden unbedingt zu wahren, während die Wiederher- stellung der Glaubenseinheit für Schwendi keine Bedeutung mehr gehabt zu haben scheint. Vielmehr rühmt er es als das größte Verdienst Ferdinands um das Reich, den Religionsfrieden sogar gegen den Willen des – von Ausländern schlecht beratenen – Kaisers Karl herbeigeführt zu haben. Die konsequente Einhaltung des Friedens habe dazu geführt, daß während der Regierungszeit Ferdinands das allgemeine Mißtrauen im Reich abgebaut und die inneren Krie- ge beendet worden seien370. Schwendi empfiehlt dem Nachfolger, dieser Linie treu zu bleiben und sich mit den Reichsständen auf die strikte Beachtung des Religionsfriedens zu verständigen; in der zweiten Denkschrift plädiert er aus- führlich für gegenseitige Toleranz der beiden Konfessionen371. Die seit dem Tridentinum von den Bischöfen verlangten Eide und die römische Kritik am Religionsfrieden bewertet er als unzulässige Einmischung in Angelegenheiten des Reichs und empfiehlt, auf den Papst keine Rücksicht zu nehmen372. Er ver- tritt also, obwohl Katholik, nach dem Tridentinum ein „romfreies“ Kaisertum. In der späteren Denkschrift wird auch die Formel, Maximilian sei „ein römi- scher Kayser und das Haupt der Christenheit“ gebraucht und dadurch diese 366 Lanzinner, Denkschrift, S. 158 367 Ebda, S. 159 368 Lanzinner, S. 157 369 Lanzinner, S. 163 370 Besonders eingehend 1574, Frauenholz, S. 12, aber auch schon 1570 erkennbar, Lanzinner, S. 175 371 Lanzinner, S. 160, Frauenholz, S. 27 372 Lanzinner, S. 164f, Frauenholz, S. 18 u. S. 25f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser