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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 312 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 4: Der Streit mit Papst Paul IV. – Neue Begründung des Kaisertums312 betonte Ferdinand, er denke nicht daran zuzugeben, daß aus Salbung, Krönung und Eidesleistung eine „ober und gerechtigkhait über das heillig reich“ für den Papst abzuleiten sei387. Der Gedanke, Abdankung und Übertragung für nichtig zu erklären und dem Papst die Entscheidung anheimzustellen, wurde als Be- einträchtigung der „eer, praeeminenz und hochait“ des Reichs sowie des Rech- tes der Kurfürsten auf die Kaiserwahl abgelehnt388. Hinzugenommen war das Argument, durch den Tod Karls V. sei das Problem eigentlich überholt, weil Ferdinand infolge seiner Wahl der rechtmäßige Nachfolger sei; da der amtie- rende Papst ihn früher als Römischen König behandelt habe und alle europäi- schen Herrscher ihn als Kaiser begrüßt hätten, sei die Weigerung, ihn anzuer- kennen, unverständlich. Die Intention, sich bei der Verteidigung der Reputation des Reichs an die Spitze zu stellen, ist unverkennbar. Doch fällt auf, daß Schär- fen gegen Rom möglichst vermieden werden, der von Seld zusammengestellte Katalog von Fehlleistungen Pauls IV. hat keinen Niederschlag gefunden. Nur einmal ging Ferdinand zum Angriff über: Die Forderung, er selbst müsse sich „hinfüro reformiern und pessern“, konterte er mit der Feststellung, ihm wäre nichts lieber als eine Reformation der ganzen Christenheit, sowohl des geistli- chen wie des weltlichen Standes, „von den obristen häubtern an biß auff die äusserste glider“389. Auf eine Stellungnahme zu den in Religionsfragen gegen ihn gerichteten Vorwürfen verzichtete Ferdinand – sie sei unnötig –, womit er dem Risiko entging, irgendeiner Seite Anlaß zu neuer Kritik zu bieten. Nur für den Fall, daß der Papst ihm weiterhin den Kaisertitel verweigern oder ihn „mit beschwerlichen prozessen angreiffen“ würde, was nachteilige Folgen für das Ansehen von Kaiser und Reich in Italien und bei den anderen Herrschern ha- ben könnte, werden die Kurfürsten um ihren Rat gebeten, wie darauf reagiert werden solle390. Die Adresse an die Kurfürsten dokumentiert also nicht Ratlo- sigkeit am Kaiserhof391, sondern den Willen, dem politischen Übergriff des Pap- stes in geschlossener Einheit von Kaiser und deutschen Reichsständen entge- genzutreten. Eine Kurzfassung, die auf die Mission Gúzmans konzentriert war, wurde den Vertretern der Kurfürsten ausgehändigt392. Philipp II. hatte Vargas in Rom seine Bemühungen um Beilegung des Kon- flikts fortsetzen lassen. Der spanische Diplomat hat dabei seinem eigenen Be- richt zufolge die habsburgischen Rechtspositionen wacker verteidigt und die untadelige Katholizität Kaiser Ferdinands hervorgehoben393. Dieser hat seine Tätigkeit mehrmals gelobt, aber er zögerte auch nach Karls Tod mit einem ver- bindlichen Auftrag, anscheinend hatte er Zweifel, daß seitens der Kurie Bereit- 387 fol 17r 388 Der kursächsische Vertreter Cracow wußte schon vier Wochen vorher zu berichten, daß über dieses Ansinnen des Papstes „die Kaiserischen spotten“ (Westphal, S. 81). 389 fol 19r 390 fol 20v 391 So Burckhardt, S. 52 392 HHStA Wien, MEA WuKA neu 3 (alt 2/2), fol 24–27; zur Reaktion der Kurfürsten s. Kapitel 5, S. 356f 393 So in seinem Bericht vom 8.1.1559 (wie Anm. 377) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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