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Kein greifbarer Fortschritt in der Religionsfrage 325
ren sollte44. Mit der Bestätigung von Passauer Vertrag und Augsburger Religi-
onsfrieden erklärte er sich einverstanden45.
Etliche Tage zuvor hatte Kurfürst August in einem Brief an Landgraf Philipp
vorhergesagt, der Kaiser werde die Konzilsempfehlung der Katholiken aufgrei-
fen, zumal sich die internationale Lage entspannt habe46. Wenn auch die Aus-
sichten auf ein Konzil im Mai 1559 noch nicht allzu rosig erscheinen mochten,
so hatte sich die Situation infolge des Friedens von Cateau-Cambrésis doch
schon verbessert, und eine weitere Veränderung in absehbarer Zeit war keines-
wegs ausgeschlossen, denn der Gesundheitszustand Papst Pauls IV. war sehr
instabil, worüber der Kaiserhof ständig informiert war47. Ende Mai signalisierte
Philipp II. seinem Vertreter in Augsburg, dem Grafen Luna, seine Zustimmung
zum Konzil, sofern darüber zwischen Papst, Kaiser, Frankreich und Spanien
Einvernehmen herbeigeführt werde48.
Den Protestanten mißfiel an der Resolution, daß Ferdinand sich für ein Kon-
zil aussprach, ohne auf ihre Bedingungen und kritischen Einwände gegen die
beiden letzten Kirchenversammlungen einzugehen49. Um ein für allemal die
Interpretation auszuschließen, sie hätten „simpliciter“ ein Konzil nach Vor-
stellungen des Kaisers oder der Katholiken bewilligt, einigten sich die Prote-
stanten darauf, in einer Replik ihre Bedingungen für ein Konzil ganz detailliert
vorzutragen50. Natürlich lehnten die Katholiken es ab, diese Liste zu unterstüt-
zen. Sie verhinderten zwar nicht die Übergabe, erklärten aber ausdrücklich,
ihrerseits durch die kaiserliche Antwort befriedigt zu sein. Die Verlesung der
protestantischen Kritik mußte der Kurpfälzer Vertreter übernehmen51. Ferdi-
nands Erwiderung machte deutlich, wie überflüssig ihm die Fortsetzung dieser
Diskussion erschien. Er bekräftigte seine Hoffnung auf ein baldiges Konzil,
indessen „stund gleichwol in irer Mt. macht also simpliciter nit, dasselb auf
gewiße maß und conditiones zu reguliren“; wenn es soweit sei, werde jedem
Stand „sein notturft und beschaidenhait furzubringen unbenomen“ sein, und es
44 Schief ist die Auslegung von Fischer, S. 38, Ferdinand habe das Konzil „angeregt“ und „bewußt
verschwiegen“, „daß er an ein vom Papst berufenes Konzil dachte“. Ferdinands Konzilsver-
ständnis war den Protestanten klar, sonst hätten sie ja nicht ihre Bedingungen formuliert.
45 Ohne Rücksicht auf Bedenken Philipps II., die Luna den kaiserlichen Räten vergeblich zu ver-
mitteln suchte (CDI 98, S. 84–87, Bericht v. 6.6.1559).
46 Heidenhain, Unionspolitik, Beilagen S. 36. Mitte Juni äußerte Mundt in Augsburg die Ansicht,
die Fortschritte der evangelischen Lehre in ihren Reichen lasse den Königen von Frankreich und
Spanien keine andere Abwehrmöglichkkeit mehr als ein Konzil, und darum würden sie einer
Einladung des Papstes dazu sehr wahrscheinlich folgen (Stevenson 1, Nr. 847, S. 315).
47 Pastor 6, S. 618; s. auch Kapitel 4, S. 313
48 CDI 98, S. 78–81; vgl. Maurenbrecher, HZ 50, S. 72f, der Philipps Einfluß auf Ferdinands
Haltung m.E. überbewertet hat.
49 Die Resolution sei „ganz dunkel und der Augspurgischen Confessionsverwandten bedenken fast
im wenigsten nicht angeregt“ (Schreiben der Pfälzer Vertreter v. 27.5.1559 bei Kluckhohn,
Briefe 1, S. 73).
50 HStA Marburg, PA 1275, fol 66v-72v: Bericht v. 30.5.1559 (Kopie), bes. fol 67r
51 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 91r-96r (von Seld auf den 6.6.1559 datiert); hinreichendes Refe-
rat bei Bucholtz 7, S. 440f; ferner Heppe 1, S. 329; Wolf, Protestanten, S. 196
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien