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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 336 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559336 er selbst sich gerade aufhalte, mithin müßten Kläger und Beklagte an seinem Hof erscheinen. Es war nicht anzunehmen, daß die Protestanten sich darauf einlassen würden, denn sie hätten dem Kaiser damit das letztinstanzliche Urteil zugestanden, während sie es gewesen waren, die 1555 das Interpretationsrecht des Kaisers aus dem ersten Entwurf im Fürstenrat eliminiert hatten. Die Kalkulation des Kaiserhofes ging diesmal nicht auf. Die Protestanten ak- zeptierten zwar die Überweisung an den Deputationstag, stellten aber die Be- dingungen, daß er paritätisch besetzt werden müsse – damit beharrten sie auf ihrem Anspruch nach völliger Gleichbehandlung beider Konfessionen – und daß der Kaiser das Kammergericht anweise, seine in anhängigen Fällen erlasse- nen Mandate bis zum Ende des Deputationstages zu sistieren108. Dagegen ge- lang es nicht, die Zustimmung der katholischen Stände zu gewinnen, obwohl Ferdinand zuletzt noch persönlich mit ihnen darüber verhandelt hat109. Zwei- mal lehnten sie schriftlich den Vorschlag als untunlich ab. Neben den pragmati- schen Einwand, der Deputationstag werde überfordert, weil er die streitenden Parteien dann anhören, also selbst einen Prozeß durchführen müsse, setzten sie das grundsätzliche Argument, daß im Religionsfrieden die alleinige Zuständig- keit des Reichskammergerichts fixiert war, dabei müsse es bleiben, damit „Ju- stitia und das recht unverhindert bleib, seinen gestrackhten lauff und furganng hab und behalt“110. Am 13. August mußte Ferdinand den Protestanten einge- stehen, daß seine Bemühungen erfolglos geblieben waren, ohne ihnen eine neue Lösung anzubieten111. Das gab den Protestanten die Gelegenheit, sich in ihrem abschließenden Votum darüber zu entrüsten, daß ein „treuhertzig und vetterlich bedenken“ des Kaisers bei den katholischen Ständen nur ein „geringes ansehen gehabt“ ha- be112. Gewichtiger als diese Polemik war aber, daß sie die Kontroverse als eine Angelegenheit der politischen Instanz im Reich bezeichneten: „die interpretati- on und erclärung des auffgerichten religionsfridens [steht] bey der Kay. Mt. und den stenden des reichs“, also beim Reichstag, hilfsweise bei dessen Depu- tierten. Zugleich machten sie Front gegen die Tendenz, die 1555 in Augsburg beschlossene Fassung des Religionsfriedens gleichsam als sakrosankt zu be- trachten, indem sie feststellten, es bedeute nicht, ihn „disputierlich und zweif- felhafftig“ zu machen, wenn der Deputationstag überprüfe, ob daran etwas „gebessert oder erleuttert“ werden müßte, denn das täte man ja bei anderen Reichsordnungen auch. Sie sahen daher keinen Anlaß, von ihren letzten Anträ- 108 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 187r-189r mit Dorsalvermerk (fol 190v): „Gravamina der Con- fessionisten“; auf kaiserlichen Befehl am 27.7.1559 den katholischen Ständen zur Stellungnahme zugeleitet; ein zweites Exemplar fol 179r-181r. 109 Mayer, S. 246: Schreiben Hundts an Herzog Albrecht, Augsburg, 13.8.1559; vgl. auch den bei Bucholtz 7, S. 452 in der Anmerkung referierten Brief des niederösterreichischen Kanzlers Wal- dersdorf vom 15.8.1559 mit seiner scharfen Kritik an der ablehnenden Haltung der Katholiken. 110 Ihre Stellungnahmen vom 5.8. und 12.8.1559 im HHStA Wien, RK RTA 42, fol 182r-185r und fol 191r-194r; das Zitat fol 193v 111 HStA Marburg, PA 1276, fol 101r/v: Protokoll des Vizekanzlers Scheffer vom Augsburger Reichstag 1559 (Reinschrift), Eintrag zum 13.8.1559 112 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 202–205+201: Eingabe der evangelischen Stände, mit Vermerk „lectum 16. Augusti“. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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