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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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Jahr keine Offensive des Sultans zu befĂĽrchten. Man kam am Kaiserhof recht
bald zu der Entscheidung, das Angebot auf jeden Fall anzunehmen, und Ende
April waren die neuen Instruktionen fĂĽr den Gesandten Busbecq in Konstanti-
nopel erarbeitet137.
Indessen sah Ferdinand deswegen noch keine Veranlassung, von sich aus Ab-
striche an der gewĂĽnschten TĂĽrkenhilfe zu machen. Der von Zasius im FĂĽrsten-
rat gestellte Antrag, ĂĽber TĂĽrkenhilfe und Religionsfrage paribus passibus zu
beraten, belegt Ferdinands Wunsch, die Bewilligung der Stände zu erreichen,
ehe das Friedensangebot des Sultans bekannt wurde, denn Zasius hat davon
nichts durchblicken lassen138. Da Zasius’ Antrag nicht angenommen wurde und
sich das Faktum auf Dauer nicht geheim halten ließ – ein englischer Beobachter
hatte schon am 15. März von Kaufleuten etwas über die Tatsache erfahren139 –,
setzte Ferdinand den Reichstag am 12. Mai offiziell in Kenntnis140. Er lieĂź das
Schreiben des Sultans verlesen, teilte mit, daĂź er seinen Botschafter instruiert
hatte, einen „leidlichen friedstand anzunemen“, weil er ja gerne Ruhe für seine
erschöpften Länder haben wolle, und trug seine Einschätzung der neuen Lage
vor: Den SchluĂź, daĂź keine unmittelbare Kriegsgefahr mehr bestĂĽnde, zog er
gleich selbst, um den Reichsständen dieses Argument zu nehmen. Indessen
lehre die Erfahrung, daß man bei diesem Feind „aller sorgfeltigkhait nit genntz-
lichen entladen“ sei; zudem sei der Sultan alt und krank, ob aber sein Nachfol-
ger bereit sein würde, den Frieden zu halten, sei ungewiß. Sicherheit könne nur
geschaffen werden, wenn man die Grenzbefestigungen verstärke und ständig
vor einem Überfall auf der Hut sei. Da an die Bewilligung einer Armee „zur
Defension wider den äußeren Feind des Reiches“ nicht mehr zu denken war,
beantragte Ferdinand nun zum einen Finanzmittel fĂĽr den Ausbau der Festun-
gen in Ungarn, wobei er den Nutzen der letzten Verstärkungen für die jüngsten
Defensiverfolge betonte, und zum anderen einen „Vorrat“, um im Notfall un-
verzüglich Truppen aufstellen zu können. Das Angebot, mit der Ernennung
eines „paumeisters“, „einnemers“ und „gegenschreibers“ durch die Stände sei er
einverstanden, sollte wohl seine Bereitschaft signalisieren, bei der Verwaltung
und Verwendung der Gelder den Ständen Einblick zu gewähren. Da er sich zur
Höhe der Summen nicht äußerte, beinhaltete die neue Proposition also eigent-
lich nur eine Umwidmung der beantragten Hilfe.
Wie nicht anders zu erwarten, bekundete die Mehrzahl der Reichsstände nur
geringe Neigung, ĂĽberhaupt noch darauf einzugehen. Ein von Salzburg und
Bayern unterstützter Versuch Österreichs im Fürstenrat, die Stände erst einmal
darauf festzulegen, daß man dem Kaiser „ain hulff in genere bewilligen und sich
hernach also vergleichen solte, wie und welchs gestald, auch wie hoch solche
hulf zu leisten“, fiel durch – nur der Deutschmeister stimmte noch dafür –, die
Mehrheit wollte erst einen Rechenschaftsbericht ĂĽber die Verwendung der in
Regensburg genehmigten Gelder haben. Der Kurfürstenrat votierte – wie vor
137 Vgl. Kapitel 10, S. 640f
138 Vgl. das bei Holtzmann, S. 339 Anm. 5 erwähnte Schreiben an Maximilian v. 11.3.1559.
139 Stevenson 1, Nr. 410, S. 173; vgl. ebda Nr. 463, S. 191
140 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 230r-234r (Kopie). Nach einer beiläufigen Bemerkung sind die
persönlich anwesenden Fürsten schon vorab unterrichtet worden (fol 231r).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien