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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559340 Jahr keine Offensive des Sultans zu befürchten. Man kam am Kaiserhof recht bald zu der Entscheidung, das Angebot auf jeden Fall anzunehmen, und Ende April waren die neuen Instruktionen für den Gesandten Busbecq in Konstanti- nopel erarbeitet137. Indessen sah Ferdinand deswegen noch keine Veranlassung, von sich aus Ab- striche an der gewünschten Türkenhilfe zu machen. Der von Zasius im Fürsten- rat gestellte Antrag, über Türkenhilfe und Religionsfrage paribus passibus zu beraten, belegt Ferdinands Wunsch, die Bewilligung der Stände zu erreichen, ehe das Friedensangebot des Sultans bekannt wurde, denn Zasius hat davon nichts durchblicken lassen138. Da Zasius’ Antrag nicht angenommen wurde und sich das Faktum auf Dauer nicht geheim halten ließ – ein englischer Beobachter hatte schon am 15. März von Kaufleuten etwas über die Tatsache erfahren139 –, setzte Ferdinand den Reichstag am 12. Mai offiziell in Kenntnis140. Er ließ das Schreiben des Sultans verlesen, teilte mit, daß er seinen Botschafter instruiert hatte, einen „leidlichen friedstand anzunemen“, weil er ja gerne Ruhe für seine erschöpften Länder haben wolle, und trug seine Einschätzung der neuen Lage vor: Den Schluß, daß keine unmittelbare Kriegsgefahr mehr bestünde, zog er gleich selbst, um den Reichsständen dieses Argument zu nehmen. Indessen lehre die Erfahrung, daß man bei diesem Feind „aller sorgfeltigkhait nit genntz- lichen entladen“ sei; zudem sei der Sultan alt und krank, ob aber sein Nachfol- ger bereit sein würde, den Frieden zu halten, sei ungewiß. Sicherheit könne nur geschaffen werden, wenn man die Grenzbefestigungen verstärke und ständig vor einem Überfall auf der Hut sei. Da an die Bewilligung einer Armee „zur Defension wider den äußeren Feind des Reiches“ nicht mehr zu denken war, beantragte Ferdinand nun zum einen Finanzmittel für den Ausbau der Festun- gen in Ungarn, wobei er den Nutzen der letzten Verstärkungen für die jüngsten Defensiverfolge betonte, und zum anderen einen „Vorrat“, um im Notfall un- verzüglich Truppen aufstellen zu können. Das Angebot, mit der Ernennung eines „paumeisters“, „einnemers“ und „gegenschreibers“ durch die Stände sei er einverstanden, sollte wohl seine Bereitschaft signalisieren, bei der Verwaltung und Verwendung der Gelder den Ständen Einblick zu gewähren. Da er sich zur Höhe der Summen nicht äußerte, beinhaltete die neue Proposition also eigent- lich nur eine Umwidmung der beantragten Hilfe. Wie nicht anders zu erwarten, bekundete die Mehrzahl der Reichsstände nur geringe Neigung, überhaupt noch darauf einzugehen. Ein von Salzburg und Bayern unterstützter Versuch Österreichs im Fürstenrat, die Stände erst einmal darauf festzulegen, daß man dem Kaiser „ain hulff in genere bewilligen und sich hernach also vergleichen solte, wie und welchs gestald, auch wie hoch solche hulf zu leisten“, fiel durch – nur der Deutschmeister stimmte noch dafür –, die Mehrheit wollte erst einen Rechenschaftsbericht über die Verwendung der in Regensburg genehmigten Gelder haben. Der Kurfürstenrat votierte – wie vor 137 Vgl. Kapitel 10, S. 640f 138 Vgl. das bei Holtzmann, S. 339 Anm. 5 erwähnte Schreiben an Maximilian v. 11.3.1559. 139 Stevenson 1, Nr. 410, S. 173; vgl. ebda Nr. 463, S. 191 140 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 230r-234r (Kopie). Nach einer beiläufigen Bemerkung sind die persönlich anwesenden Fürsten schon vorab unterrichtet worden (fol 231r). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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