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Beratung der Türkenhilfe 341
zwei Jahren in Regensburg –, der Kaiser möge die Stände mit seinem Hilfsersu-
chen verschonen, weil sie finanziell erschöpft wären und einer Erholungszeit
bedürften, um im Falle der Not besser helfen zu können; außerdem hätten sie
wegen der auf dem Reichstag soeben in Aussicht genommenen Gesandtschaften
nach Frankreich und Rußland ohnehin große Unkosten141. Diese Ausflüchte
wurden Bestandteil des ersten Bedenkens der Stände zur Türkenhilfe, das dem
Kaiser nahelegte, auf seinen Antrag ganz zu verzichten142. Friedrich von der
Pfalz verlangte außerdem Auskunft, was der Kaiser in Ausführung des Regens-
burger Abschieds unternommen habe, um die Unterstützung von anderen
christlichen Mächten zu erhalten143, und ließ sich davon nicht abbringen, ob-
wohl seine Räte von Ferdinand einbestellt und aufgefordert wurden, ihren
Herrn zu einer positiven Haltung gegenüber den kaiserlichen Wünschen zu
bestimmen144. Sowohl dieses Privatissimum als auch die Tatsache, daß Ferdi-
nand den Ständen auf ihr Votum sofort selbst antwortete, belegen sein persönli-
ches Engagement145. Er wiederholte dabei die meisten Argumente aus der
„zweiten Proposition“ und versuchte klarzumachen, es sei sinnvoller, jetzt
Vorsorge zu treffen, auch wenn dafür etwas weniger bereitgestellt würde, als im
Notfall riesige Summen aufbringen zu müssen146. Da das Verlangen nach vor-
heriger Rechnungslegung leicht als Vorwand zu durchschauen war, antwortete
Ferdinand darauf, der Pfennigmeister stehe den Ständen zum Vortrag zur Ver-
fügung147. Seine Intervention hatte wenigstens den Erfolg, daß die Reichsstände
sich doch zu ernsthaften Beratungen bequemten und der Gedanke fallengelas-
sen wurde, gar keine Mittel für die Türkenabwehr zu bewilligen148. Der Kaiser-
hof versuchte in der Folgezeit etliche Male, geeignete Neuigkeiten aus der Tür-
kei zur Beeinflussung der Stände in seinem Sinne einzusetzen.
Natürlich wurde an der Verwendung der in Regensburg genehmigten Gelder
Kritik geübt, und der beantragte „Vorrat“, der ja als Ersatz für die ursprünglich
angestrebte „beharrliche Hilfe“ gemeint war, stieß auf erheblichen Widerstand,
obwohl im Fürstenrat (vermutlich von den Vertretern Österreichs) geltend
gemacht wurde, eine Ablehnung könne den Türken ermutigen. Es half auch
nichts, daß Ferdinand vor der entscheidenden Umfrage mitteilen ließ, in Kroa-
tien sei der Waffenstillstand gebrochen worden, er fand in beiden Kurien keine
141 HStA Marburg, PA 1275, fol 67v-69r: aus dem Bericht v. 30.5.1559 (Kopie); das Zitat fol 67v.
Die hessischen Vertreter resümierten, es zeige sich, daß im Fürstenrat außer den vier [oben ge-
nannten] Ständen „sonst nicht viel, die zu bewilligung einiches fernern hulff, es sei wenig oder
vil, grosse lust haben“ (fol 69r).
142 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 235r-236r: 1. Bedenken der Stände zur Türkenhilfe, v. 3.6.1559
143 Kluckhohn, Briefe 1, S. 81
144 Ebda, S. 81 Anm. 1
145 Daß Ferdinand persönlich gesprochen hat, meldete Nikolaus von Warnsdorf am 4.6.1559 an
König Maximilian (HHStA Wien, RK RTA 43, fol 165v).
146 Die schriftliche Replik v. 4.6.1559 in HHStA Wien RK RTA 42, fol 238r-240r
147 HStA Marburg, PA 1276, fol 52: Protokolleintrag (Konzept) zum 3.6.1559
148 Am 11.7.1559 schrieb der Vertreter des Abtes Gerwig von Weingarten, es sehe so aus, „das die
stende werden von disem reichstag one bewilligung ainer hilf schwerlichen abschaiden mugen“
(Blarer 2, S. 447).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien