Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 348 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 348 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 348 -

Image of the Page - 348 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 348 -

Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559348 libertate Germaniae et gentium jure“ einsetzen; sie ersuchten um die Zusage, daß kĂŒnftig französische Gesandte regelmĂ€ĂŸig und ungehindert an den Reichs- tagen teilnehmen könnten190. Der englische Beobachter kommentierte, die Rede habe außer Versprechungen und schönen Worten wenig geboten; der französi- sche König wolle glauben machen, ein Wolf sei ein guter Schafhirte, und das hĂ€tten die StĂ€nde gemerkt und sich nicht beeindrucken lassen191. Der bayeri- sche Rat Hundt bezeichnete die Freundschaftsbeteuerungen als LĂŒgen192. Dennoch hielt Ferdinand es fĂŒr angezeigt, den ReichsstĂ€nden fĂŒr ihre Ant- wort auf die französische Werbung die Richtung zu weisen, nĂ€mlich die von den Franzosen ostentativ ĂŒbergangene Restitutionsfrage ins Zentrum zu rĂŒk- ken. Daß er mit dem soeben zum PrĂ€sidenten des Reichshofrates berufenen Grafen Karl von Zollern und mit Seld zwei besonders hochgeachtete Mitarbei- ter zum Vortrag vor dem Reichstag abordnete, dokumentiert den hohen Stel- lenwert, den er dieser Intervention beilegte193. Seiner Ansicht nach sollten die StĂ€nde auf der RĂŒckgabe bestehen, weil sonst die Reputation des Reiches ge- schmĂ€lert werde und jede auslĂ€ndische Macht sich unterstehen könne, dem Reich etwas wegzunehmen – ein Argument, gegen das sich schwer etwas ein- wenden ließ. Sie sollten den Standpunkt vertreten, daß fĂŒr die Fortdauer der Besetzung der lothringischen Stifte und StĂ€dte kein Grund mehr vorhanden sei, auch nicht nach Kriegsrecht; denn sie sei erfolgt, als der König von Frankreich mit Kaiser Karl V. in Fehde lag, seit aber das Kaisertum an ihn (Ferdinand) gelangt, seien Kaiser und Reich nicht mehr in den Krieg zwischen Frankreich und Spanien involviert, und darum seien „die dinge dahin zu richten, das dem reich wieder zugestelt werden mochte, was durch ursach des kriegs dem selben entzogen“. Zur weiteren Motivierung der StĂ€nde spielte er eine Information aus, die er ĂŒber den Verlauf der Friedensverhandlungen in Cateau-CambrĂ©sis erhalten hatte: König Philipp, den er gebeten habe, sich fĂŒr die Freigabe einzu- setzen, habe leider nichts erreicht als die Antwort, das gehe Spanien nichts an. Ein paar Tage spĂ€ter schob er die Mitteilung nach, die französischen Friedens- unterhĂ€ndler hĂ€tten erklĂ€rt, ihr König habe seinen Gesandten zum Reichstag deswegen Weisungen erteilt194. Heinrich II. hatte sich insofern nicht verkalkuliert, als der neue PfĂ€lzer Kur- fĂŒrst Friedrich gewillt war, die Politik seines VorgĂ€ngers Ottheinrich fortzuset- zen, der wegen seiner Gegnerschaft zu den Habsburgern gute Beziehungen mit Frankreich gepflegt hatte195. Friedrich war dafĂŒr, die französische Werbung positiv zu beantworten, doch konnten seine Vertreter nicht verhindern, daß entgegen seiner Intention die Restitutionsfrage im KurfĂŒrstenrat thematisiert 190 LĂŒnig, Orationes 1, S. 328–336; HĂ€berlin 4, S. 117; unzulĂ€nglich die Wiedergabe bei Barthold, S. 267 191 Stevenson 1, Nr. 435, S. 181 192 Mayer, S. 63 Anm. 5 193 Zum folgenden das hessische Protokoll (wie Anm. 187), fol 123r-124v (Reinschrift) zum 6.4.1559 (das Zitat fol 123v/124r); Heidenhain, BeitrĂ€ge, S. 66. 194 Ernst, Bw. 4, S. 636 (Bericht v. 11.4.1559); Maurenbrecher, HZ 50, S. 75 195 Kurze, S. 33ff; Wirsching, S. 338f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂŒnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser