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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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libertate Germaniae et gentium jureâ einsetzen; sie ersuchten um die Zusage,
daĂ kĂŒnftig französische Gesandte regelmĂ€Ăig und ungehindert an den Reichs-
tagen teilnehmen könnten190. Der englische Beobachter kommentierte, die Rede
habe auĂer Versprechungen und schönen Worten wenig geboten; der französi-
sche König wolle glauben machen, ein Wolf sei ein guter Schafhirte, und das
hÀtten die StÀnde gemerkt und sich nicht beeindrucken lassen191. Der bayeri-
sche Rat Hundt bezeichnete die Freundschaftsbeteuerungen als LĂŒgen192.
Dennoch hielt Ferdinand es fĂŒr angezeigt, den ReichsstĂ€nden fĂŒr ihre Ant-
wort auf die französische Werbung die Richtung zu weisen, nÀmlich die von
den Franzosen ostentativ ĂŒbergangene Restitutionsfrage ins Zentrum zu rĂŒk-
ken. Daà er mit dem soeben zum PrÀsidenten des Reichshofrates berufenen
Grafen Karl von Zollern und mit Seld zwei besonders hochgeachtete Mitarbei-
ter zum Vortrag vor dem Reichstag abordnete, dokumentiert den hohen Stel-
lenwert, den er dieser Intervention beilegte193. Seiner Ansicht nach sollten die
StĂ€nde auf der RĂŒckgabe bestehen, weil sonst die Reputation des Reiches ge-
schmÀlert werde und jede auslÀndische Macht sich unterstehen könne, dem
Reich etwas wegzunehmen â ein Argument, gegen das sich schwer etwas ein-
wenden lieĂ. Sie sollten den Standpunkt vertreten, daĂ fĂŒr die Fortdauer der
Besetzung der lothringischen Stifte und StÀdte kein Grund mehr vorhanden sei,
auch nicht nach Kriegsrecht; denn sie sei erfolgt, als der König von Frankreich
mit Kaiser Karl V. in Fehde lag, seit aber das Kaisertum an ihn (Ferdinand)
gelangt, seien Kaiser und Reich nicht mehr in den Krieg zwischen Frankreich
und Spanien involviert, und darum seien âdie dinge dahin zu richten, das dem
reich wieder zugestelt werden mochte, was durch ursach des kriegs dem selben
entzogenâ. Zur weiteren Motivierung der StĂ€nde spielte er eine Information
aus, die er ĂŒber den Verlauf der Friedensverhandlungen in Cateau-CambrĂ©sis
erhalten hatte: König Philipp, den er gebeten habe, sich fĂŒr die Freigabe einzu-
setzen, habe leider nichts erreicht als die Antwort, das gehe Spanien nichts an.
Ein paar Tage spÀter schob er die Mitteilung nach, die französischen Friedens-
unterhÀndler hÀtten erklÀrt, ihr König habe seinen Gesandten zum Reichstag
deswegen Weisungen erteilt194.
Heinrich II. hatte sich insofern nicht verkalkuliert, als der neue PfÀlzer Kur-
fĂŒrst Friedrich gewillt war, die Politik seines VorgĂ€ngers Ottheinrich fortzuset-
zen, der wegen seiner Gegnerschaft zu den Habsburgern gute Beziehungen mit
Frankreich gepflegt hatte195. Friedrich war dafĂŒr, die französische Werbung
positiv zu beantworten, doch konnten seine Vertreter nicht verhindern, daĂ
entgegen seiner Intention die Restitutionsfrage im KurfĂŒrstenrat thematisiert
190 LĂŒnig, Orationes 1, S. 328â336; HĂ€berlin 4, S. 117; unzulĂ€nglich die Wiedergabe bei Barthold, S.
267
191 Stevenson 1, Nr. 435, S. 181
192 Mayer, S. 63 Anm. 5
193 Zum folgenden das hessische Protokoll (wie Anm. 187), fol 123r-124v (Reinschrift) zum
6.4.1559 (das Zitat fol 123v/124r); Heidenhain, BeitrÀge, S. 66.
194 Ernst, Bw. 4, S. 636 (Bericht v. 11.4.1559); Maurenbrecher, HZ 50, S. 75
195 Kurze, S. 33ff; Wirsching, S. 338f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien