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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 349 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Beratung über die Restitution der lothringischen Bistümer und Städte 349 wurde196. Der Fürstenrat setzte zur Vorbereitung seiner Stellungnahme einen Ausschuß von acht Mitgliedern ein, dem auch Österreich angehörte. Es ist in- teressant, wie der Vertreter Österreichs, der natürlich im Auftrag des Kaisers handelte, bei der Formulierung des Leitantrags für die Antwort nun die diplo- matischen Gepflogenheiten berücksichtigte: Man erinnere sich gut an die vorige Epistel des französischen Königs und zweifle nicht, er werde sie auch in die Tat umsetzen; darum sei man befremdet, daß das letzte Schreiben des Reichstages wegen der lothringischen Stifte und Städte und des Bistums Lüttich (aus dem Jahr 1555) noch nicht beantwortet sei; die angebotene Freundschaft könne er nicht besser erzeigen als durch die Restitution; darüber solle sich die Gesandt- schaft erklären. Zwar überwog im Ausschuß die Ansicht, von den Gesandten sei nichts weiter zu erwarten, von Bayern, Würzburg und Straßburg wurde sogar gewaltsames Vorgehen gegen Frankreich zur Diskussion gestellt. Doch einigte man sich dann auf eine Linie, die einen hessischen Antrag, erst noch einmal anzufragen, ob die Gesandten doch Aufträge in der Restitutionsangele- genheit hätten, mit der österreichischen Argumentation verband197. Das fand die Zustimmung des Reichstags198, und Ferdinand billigte den diplomatischen Zwischenschritt ausdrücklich199. Die Rückfrage folgte überwiegend der öster- reichischen Empfehlung: Sie erinnerte an den letzten Briefwechsel, stellte fest, bisher gäbe es keine Anzeichen für den Willen des Königs zur Freigabe der okkupierten Gebiete, verwies darauf, daß jener Krieg, der die Besetzung veran- laßt habe, beendet sei, und fragte, ob die Gesandten etwas zur Restitution mit- teilen könnten200. Da die Franzosen erwidern mußten, von jenen Briefen wüß- ten sie nichts und sie hätten zu den mit Metz, Toul und Verdun verbundenen Problemen keinen Auftrag201, war der Weg frei für den Beschluß, die französi- schen Herren nach Hause zu schicken und demnächst von Reichs wegen eine Gesandtschaft nach Frankreich abzuordnen, welche die Rückgabe als Voraus- setzung und Beweis guter nachbarlicher Beziehungen fordern sollte202. Im Un- terschied zum Vorjahr hatte auch Ferdinand jetzt, nachdem der Friede von Cateau-Cambrésis perfekt war, keine Bedenken gegen eine Gesandtschaft des Reiches. Der kurpfälzische Gegenvorschlag, sich mit einer höflichen schriftli- chen Anfrage an Heinrich II. zu wenden203, wurde von der Mehrheit mit dem einleuchtenden Argument abgelehnt, das führe nur zu einem langwierigen und unfruchtbaren Briefwechsel204. Der Kurfürstenrat setzte einige Milderungen in 196 Kluckhohn, Briefe 1, S. 50 und 57; Wirsching, S. 339 197 HStA Marburg, PA 1276, fol 13v-16v: Protokoll zum 8.4.1559 (Konzept); vgl. Heidenhain, Beiträge, S. 74ff 198 HHStA Wien, RK RTA 43, fol 310r/v: Bedenken der Stände v. 12.4.1559 199 Ferdinand verzichtete darauf, persönlich an der deswegen erforderlichen Vorladung der Franzo- sen teilzunehmen (wie Anm. 197, fol 18r, Protokoll zum 13.4.1559). 200 HHStA Wien, ebda, fol 303r/v: „Lateinischer Fürhalt, wie der den französischen Oratorn im Namen gemainer Reichs Stendt in forma proponiert worden“ (Dorsalvermerk, fol 304v) 201 Die Antwort der Gesandten ebda, fol 305r; gedruckt bei Mayer, S. 241 202 HHStA Wien, ebda, fol 300r-302r: Vorschlag des Fürstenrates für die Abfertigung der französi- schen Gesandten v. 15.4.1559 203 Reimann, Herausgabe, S. 8; Kluckhohn, Briefe 1, S. 58 204 Blarer, Briefe 2, S. 444 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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