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Neue Ordnungen für die Reichsbehörden 353
tierten die neue Ordnung, wie ein in seinem Namen ergangenes Erinnerungs-
mandat vom Jahresende 1563 belegt230. Der niedersächsische Kreis verlangte
Abänderungen, die Ferdinand nicht im Alleingang bewilligen mochte, und
kümmerte sich einstweilen nicht um das neue Reichsgesetz231. Schon auf dem
nächsten Reichstag (1566) sah man Novellierungsbedarf232. Insofern wird man
das Urteil: „Die Reichsmünzordnung von 1559 ist der größte Erfolg des Kaisers
Ferdinand I. in der inneren Politik genannt worden“233, relativieren müssen.
Neue Ordnungen für die Reichsbehörden
Anfang 1559 ordnete Ferdinand die Arbeit der beiden wichtigsten Behörden
neu, auf deren ständige Unterstützung er in der Reichspolitik angewiesen war.
Dieser Habsburger brachte ein beachtliches Verständnis für die Notwendigkeit
auf, Verwaltungsabläufe festen Regeln zu unterwerfen, um die Effizienz der
routinemäßigen Regierungstätigkeit zu steigern. Mit seinem Namen sind etliche
Neuschöpfungen oder Neuorganisationen von zentralen Behörden für die Er-
blande verbunden234. Darauf ist hier nicht weiter einzugehen, doch sei daran
erinnert, daß er erst 1556 den Hofkriegsrat in Wien als oberstes zentrales Len-
kungsorgan für das Militärwesen in allen seinen Territorien eingerichtet hatte,
um die Abwehrmaßnahmen gegen das Osmanenreich besser koordinieren zu
können235.
Nach der Abreise Karls V. nach Spanien hatten sich sein Reichshofrat und
die deutsche Reichskanzlei in Brüssel aufgelöst, seitdem hatten Ferdinands
österreichische Behörden auch die Reichsgeschäfte erledigt236. Aus mehreren
Anlässen dürfte der neue Kaiser nun die Zeit zu einer Neuordnung jener Mitar-
beiterstäbe und ihrer Aufgaben für gekommen gehalten haben, die ihm in der
Reichspolitik und -verwaltung zur Hand gehen sollten. Obwohl er nach einer
Meldung von Zasius sich schon im Januar über die Besetzung des Reichshofra-
tes schlüssig geworden war und einen Hofrat für die Angelegenheiten der Erb-
lande konstituierte237, war es schwerlich ein Zufall, daß er bis zum 3. April mit
der Bekanntgabe wartete.
Ferdinand nutzte die Gelegenheit zu einer Demonstration seines guten Wil-
lens, als Kaiser früher geäußerte Kritik der Reichsstände an der Administration
des Reichs zu berücksichtigen. 1552 war es Bestandteil der Propaganda der
Kriegsfürsten gewesen, daß in den Beratergremien Karls V. überwiegend Aus-
230 Neue Sammlung 3, S. 200 (vom 29.12.1563)
231 Häfner, S. 60. Am 5.7.1564 wurde ein Mahnschreiben an die niedersächsischen Kreisstände
beschlossen (HHStA Wien, RHRP 23, fol 117r/v). Vgl. auch Selds Klage bei Goetz, Beiträge, S.
206: „es werd zuletzt dise sach auch den weg vast hinaus lauffen, wie jetzund laider bei uns teut-
schen in einen gebrauch kompt, nemlich das man vil ordnungen aufrichtet und kaine exequiert“.
232 Christmann, S. 79f
233 v. Schrötter, Teil 2, S. 126. Positive Bewertung der Münzpolitik auch bei Häpke, S. 187ff.
234 Vgl. die Aufzählung bei Uhlirz, S. 197f; grundlegend sind die Studien von Rosenthal und Fell-
ner, sodann die einschlägigen Abschnitte bei Fellner/Kretschmayr I/1.
235 Schulze, Landesdefension, S. 51f
236 Lutz, Christianitas, S. 479; Gschließer, S. 89f
237 Zasius an Maximilian, Augsburg, 12.1.1559 (Goetz, Beiträge, S. 142); Hintze, S. 141
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien