Page - 357 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Image of the Page - 357 -
Text of the Page - 357 -
Neue Ordnungen für die Reichsbehörden 357
Die Stellungnahme des KurfĂĽrstenrates bestand schlieĂźlich aus zwei Teilen,
einer gemeinsamen Antwort des ganzen Gremiums und einem Zusatzvotum
der weltlichen KurfĂĽrsten260. Gemeinsam wurde die Auffassung des Kaisers
bestätigt, die Übernahme der kaiserlichen Administration sowie von Szepter
und Krone in Frankfurt sei „rechtmesiglichen erfolgt“, und mit Genugtuung
wurde registriert, daĂź Ferdinand von den christlichen FĂĽrsten, ja sogar von den
Gegnern des christlichen Glaubens als Römischer Kaiser „und das weltlich
haubt der christenheit salutirt, geehret und dafur gehalten“ werde. Die Haltung
des Papstes fanden alle Kurfürsten befremdlich und äußerten die Hoffnung, daß
er noch einlenken werde, da Ferdinand bei seinem durch GĂşzman nach Rom
gebrachten Anerbieten nichts versäumt habe. An einen Prozeß gegen den Kai-
ser glaubten sie angesichts des hohen Alters des Papstes und der durch den
Frieden von Cateau-Cambrésis veränderten Lage nicht. Andernfalls verspra-
chen sie, sofort einen KurfĂĽrstentag abzuhalten, um dem Kaiser bei der Wah-
rung seiner „reputation und autoritet“ und der Würde des Reiches beizustehen.
Die abschließende Empfehlung, falls Paul IV. demnächst stürbe, solle Ferdi-
nand gegenĂĽber dem Nachfolger sein Anerbieten wiederholen, wollten die drei
protestantischen KurfĂĽrsten nicht mittragen, denn nach ihrer Ansicht hatte
Ferdinand mit der Sendung GĂşzmans nach Rom und dem Nachsuchen um die
Krönung mehr getan, als er „schuldig“ war, und alles, was darüber hinausginge,
wäre seiner Würde „verclainerlich“. Ihr Zusatzvotum trägt deutlich die Hand-
schrift des KurfĂĽrsten Friedrich von der Pfalz, der schon wenige Tage nach der
Erklärung des Kaisers in Augsburg seinen dortigen Vertretern die ihm wichtig
erscheinenden Aspekte fĂĽr den Ratschlag der KurfĂĽrsten mitgeteilt hatte261,
während die am weitesten gehenden sächsischen Vorschläge nicht aufgenom-
men worden sind. Dennoch bediente man sich härterer Formulierungen als in
dem gemeinsamen Papier. So wurde der Kaiser gewarnt, den Frankfurter
Staatsakt zu „vernainen“ und das Kaisertum zur Disposition des Papstes zu
stellen – wozu Ferdinand nicht die geringste Neigung bekundet hatte –, denn
das wäre für ihn gefährlich, für seinen Vorgänger Karl V. schimpflich und den
kurfürstlichen Rechten abträglich. Auch die von der Kurie verlangte Aktenein-
sicht sei abzulehnen, denn daraus könne leicht eine Verpflichtung konstruiert
und die Superiorität des Papstes hergeleitet werden. Zur Krönung verwiesen die
drei weltlichen Kurfürsten auf ihr Votum, das sie im Vorjahr während der Ver-
handlungen ĂĽber den entsprechenden Passus in der neuen Obligation Ferdi-
nands abgegeben hatten. Die allgemeine Anerkennung könne der Papst nicht
„umstoßen“. Kräftiger fiel auch ihre Beistandszusage aus: Wenn durch Aktio-
nen des Papstes die kaiserliche Präeminenz in Italien oder bei den anderen
Mächten in Gefahr käme oder er versuchen würde, die Reichsstände von ihren
Pflichten gegen Ferdinand zu entbinden, wollten sie sich vom Kaiser „nicht
abfellig machen“ lassen und alles zur Verteidigung der Rechte des Reiches tun.
Ein Hinweis auf die Zeit Ludwigs des Bayern, als das Papsttum, wie wissen-
260 Ratschlag vom 15.8.1559 in HHStA Wien, ebda, unfoliiert, 15 Seiten: S. 1–8 gemeinsames Vo-
tum (Konzept), S. 9–15 das Zusatzvotum der weltlichen Kurfürsten (Kopie).
261 Kluckhohn, Briefe 1, S. 34–36: Weisung v. 15.3.1559
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the
book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien