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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 363
nicht tun wollte20. Tags darauf präzisierte Ferdinand in einem eigenhändigen
Schreiben, der Kaiser möge den Papst nicht eher freigeben, als mit ihm Einver-
nehmen über die Berufung des Generalkonzils erzielt sei21. Karl V. hat diese
Anregungen seines Bruders jedoch nicht befolgt22, sondern sich um einen um-
fassenden Ausgleich mit dem Papst bemüht, für dessen Zustandekommen die
Konzilsfrage lange ein Hindernis darstellte. Es soll dann Ferdinands Vertreter
Andrea da Burgo gewesen sein, der schließlich Ende April 1529 die Hürde mit
der Versicherung beiseite räumen konnte, die beiden habsburgischen Brüder
bestünden nicht auf dem Konzil, vielmehr könnte der Zwiespalt mit den Luthe-
ranern in Deutschland auch durch Gespräche behoben werden23. Ob Burgo
damit eine Weisung Ferdinands ausgeführt hat – eine solche ist nicht bekannt,
Burgo war als Gesandter beider Brüder beim Papst akkreditiert24 und hat dem
Bericht zufolge in beider Namen („por V. Mat. y por su rey“) gesprochen –, ob
also die Idee des Religionsgepräches so früh in Ferdinands Beraterkreis aufge-
kommen ist, muß offen bleiben25.
Die negativen Erfahrungen mit einem Konfrontationskurs während des
(zweiten) Speyrer Reichstags 1529 sowie das durch die türkische Belagerung
Wiens geschärfte Bewußtsein, bei der Abwehr dieses gefährlichen Gegners auf
die Hilfe aller Reichsstände, auch der Protestanten, angewiesen zu sein, ließen
Ferdinand und Cles Anfang 1530 zu einer sanfteren Gangart gegenüber den
„Abgewichenen“ raten. Sie bejahten und unterstützten die Absicht Karls V., auf
dem nächsten Reichstag durch eine Prüfung der verschiedenen Meinungen die
Irrtümer zu überwinden und zur Glaubenseinheit zurückzufinden26. In einem
Schreiben an Burgo äußerte Ferdinand Ende Januar 1530 die Hoffnung, eine
gewisse „unio in fide“ liege im Bereich des Möglichen, die dann freilich von
einem Konzil bestätigt werden müsse27. Damit war der Gedanke rezipiert, prä-
konziliare Gespräche mit den Protestanten zu führen, und Ferdinand mochte
ihn nach dem ersten Mißerfolg in Augsburg nicht sogleich fahren lassen. Als die
Ausschußberatungen im September auf den toten Punkt gekommen waren,
ergriff er die Initiative: In seinem Auftrag bot der badische Kanzler Vehus in
einer vertraulichen Unterredung mit Melanchthon und dem kursächsischen
Kanzler Brück nochmals Verhandlungen über die Glaubensfragen an, und nach
deren Ablehnung wurde die Offerte gegenüber dem kompromißfreudiger er-
scheinenden Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach wiederholt28. Die
20 Bäumer, Nachwirkungen, S 57 u. S. 239
21 KF 2, Nr. 69, S. 87
22 Für Karls Konzilsauffassung vgl. G. Müller, Vorgeschichte, S. 94f; Jedin, Päpste, S. 151f
23 Baumgarten, Karl V. 2, S. 715ff: Bericht des kaiserlichen Vertreters Mai (zum Teil zitiert bei
Brandi, Karl V. 2, S. 198). Ohne Vorbehalt benutzt bei Jedin, Konzil 1, S. 194f, Sutter, S. 140,
Lortz 2, S. 130; Bedenken hatte Pastor, Päpste 4/2, S. 357 Anm. 2
24 Freundlicher Hinweis von Herrn Dr. Gerhard Rill (Klosterneuburg)
25 Ferdinand hatte noch Anfang April 1529 die Dringlichkeit einer raschen Konzilsberufung unter-
strichen (DRTA 7, S. 644: Weisung an Burgo v. 3.4.1529; vgl. G. Müller, Kurie, S. 74).
26 Vgl. die Briefe Ferdinands an Karl vom 11. und vom 28.1.1530 in KF 2, S. 564ff u. 577ff, sowie
die Auszüge aus Schreiben von Cles an Karl bei Bucholtz 3, S. 427ff u. S. 437
27 Rabe, Befunde, S. 108 mit Anm. 20
28 Immenkötter, S. 71ff u. S. 76ff.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien