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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 367
klerus. Die Forderung wurde flankiert durch den bemerkenswerten Reform-
vorschlag, die Pfarrer von weltlichen Sorgen freizuhalten durch ein festes Ge-
halt, das nach der Größe der Pfarreien zu staffeln sei. Damit wurde das her-
kömmliche kirchliche Benefizialwesen zur Disposition gestellt. Die weiteren
Ausführungen und Anregungen ähneln größerenteils denen für die Salzburger
Synode. Indessen blieben diese Ideen auf dem Papier, weil das Konzil den poli-
tischen Verwicklungen der großen Mächte in Europa zum Opfer fiel, ehe es
begonnen hatte52.
Mutatis mutandis befolgte Ferdinand die Empfehlung seiner niederösterrei-
chischen Regierung, als er Anfang Juni 1538 auf Anregungen des Kurfürsten
Joachim II. von Brandenburg einging, der einen Ausgleich zwischen den Kon-
fessionsparteien anstrebte53. Bei einem Treffen in Bautzen, dessen Anlaß die
feierliche Belehnung der Hohenzollern war, betonte Joachim im Rahmen einer
vertraulichen Erörterung der politischen Lage, das Konzil werde die Rückkehr
der Protestanten zur alten Kirche keinesfalls bewirken, eine gewaltsame Durch-
setzung seiner Beschlüsse aber werde nur negative Folgen für das Reich und für
Ferdinands Absichten, gerade auch für den Türkenkampf haben, und schlug
vor, in direkten Verhandlungen zwischen dem Kaiser und den protestantischen
Fürsten unter Beteiligung päpstlicher Vertreter vor dem Konzil ein Einverneh-
men herbeizuführen. Als Ferdinand persönlich den päpstlichen Nuntius Moro-
ne über das Gespräch informierte54, hatte er die Anregungen des Kurfürsten
schon einige Tage überdenken können und sich zu ihrer befürwortenden Wei-
tergabe an den Kaiser entschlossen. Zudem wollte er die Unterstützung Moro-
nes gewinnen, damit dieser den Papst entsprechend beeinflusse, der eben jetzt
in Nizza persönlich Verhandlungen mit Karl V. und Franz I. von Frankreich
führte55. Ferdinand fügte noch hinzu, zur Beruhigung der christlichen Religion
(„alla tranquillità della religione christiana“) sei es sinnvoll, beim Abendmahl
sub utraque und der Priesterehe, da sie dem Evangelium gemäß seien („essere
secondo l’evangelio“), sowie bei ähnlichen durch menschliche Setzungen gere-
gelten Fragen Entgegenkommen zu zeigen56. Die Gewährung des Laienkelches
hatte Kurfürst Joachim in einem Gespräch mit Morone ebenfalls als geeignetes
Mittel genannt, um die Leute zu beruhigen und die Rückführung zur römischen
Kirche zu erleichtern57. Obwohl Morone sich gegen die erwähnten Konzessio-
nen wandte, verteidigte Ferdinand sie in mehreren Unterhaltungen mit dem
Nuntius und erhob zusätzlich die Forderung nach Abstellung von Mißbräu-
chen58. Morone analysierte, bei Ferdinand habe zu dieser Zeit ein entscheiden-
der Schlag gegen die Türken Priorität, zu dessen Ermöglichung der König einen
Waffenstillstand mit seinem Konkurrenten in Ungarn, Johan Zapolya, ferner
den Frieden zwischen dem Kaiser und Frankreich und eben die Überwindung
52 Zur Suspension im Frühjahr 1539 Jedin, Konzil 1, S. 278
53 Zuletzt erörtert bei Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 185ff
54 Morones Bericht v. 2.6.1538 über seine Unterredung mit Ferdinand in NB I 2, S. 294f
55 Zu den Verhandlungen in Nizza ausführlich Rassow, Kaiseridee, S. 357ff
56 wie Anm. 54
57 NB I 2, S. 292: Bericht Morones v. 26.5.1538
58 Ebda, S. 306 u. S. 308
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien