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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 373
stärkt fühlen99. Während und nach dem Regensburger Reichstag gab Ferdinand
gegenüber Morone mehrmals Zweifel am ernsten Willen des Papstes zur
Durchführung des Konzils zu erkennen und betonte die Notwendigkeit, schon
vor dem Konzil mit Reformen zu beginnen100. Er forderte von der Kurie ein
eindeutiges Votum, das in Aussicht gestellte Konzil nicht in Italien, sondern auf
Reichsboden zu veranstalten, und empfahl seinerseits als Tagungsort wieder das
noch zum Reich gehörende Trient101. Er übte scharfe Kritik am mangelnden
Reformwillen der Kirche, wobei er besonders Mißstände beim Klerus rügte, auf
die Signalwirkung einer Reform der Kurie verwies und – wie schon gegenüber
der Salzburger Synode – schärfere Beachtung der kanonischen Strafbestimmun-
gen verlangte102. Das Drängen des Königs und mehrerer katholischer Stände
während des nächsten Reichstages (in Speyer 1542) bewirkte immerhin, daß
Morone aus Rom die Vollmacht erhielt, Trient als Konzilsort zu akzeptieren
und einen Termin für den Beginn zu nennen103. Dennoch bewahrte Ferdinand
bis zum Ende dieses Reichstages seine Skepsis, die durch etliche taktische Win-
kelzüge Roms zusätzliche Nahrung erhielt, und ging zuletzt über die Proteste
der päpstlichen Vertreter gegen etliche Formulierungen im Reichstagsabschied
hinweg, die evangelischen Konzilsvorstellungen entgegenkamen104.
Immerhin schien nun geklärt, daß die erste der drei im Regensburger Ab-
schied genannten Alternativen zum Zuge kommen sollte, obwohl die Prote-
stanten ein vom Papst geleitetes Konzil ablehnten. Solange Aussicht auf die
Realisierung bestand, hielt Ferdinand an dem Standpunkt fest, vorher seien
keine Neuerungen zulässig, und beschied dementsprechend die während eines
Ausschußlandtages in Prag 1542 von den evangelisch gewordenen Ständen sei-
ner Erblande erhobenen religiösen Forderungen abschlägig105. Wohl aber erließ
er ein Mandat, das jeden Hausvater verpflichtete, täglich mit seiner ganzen
Hausgemeinschaft unter anderem für die Ausrottung der neuen Lehre zu beten
und ihr wöchentlich einmal eine von Nausea, der inzwischen Bischof von Wien
geworden war, verfaßte Erklärung der christlichen Glaubenssätze vorzule-
sen106. Nach der neuerlichen Suspension des Konzils im Herbst 1543 machte
der König ernst und leitete eine zweite gründliche Visitation in seinen österrei-
chischen Ländern ein107. Daß die zur Mitwirkung aufgeforderten Bischöfe sich
versagten, weil sie ihm das Recht dazu bestritten, stieß bei ihm auf Unverständ-
nis. Er hielt ihnen vor, seine Anordnungen beinhalteten keine Eingriffe in ihre
99 Ferdinand veranlaßte die Übersendung der Arbeit nach Rom (Cardauns, Geschichte, S. 53).
100 Dittrich, Nuntiaturberichte 1541, S. 625; Schweinzer, S. 137; Jedin, Konzil 1, S. 329.
101 NB I 7, S. 186 (Bericht Verallos v. 21.12.1541; vgl. Bucholtz 4, S. 389) und S. 112 (Bericht Moro-
nes v. 12.2.1542); Schweinzer, S. 156f u. 167f.
102 NB I 7, S. 114–117: Bericht Morones v. 15.2.1542; vgl. Schweinzer, S. 163f
103 Schweinzer, S. 180 u. S. 188
104 Schweinzer, S. 172f; Heidrich 1, S. 82
105 ARC 4, S. 344ff; Bucholtz 8, S. 157f; Eder, Glaubensspaltung, S. 56
106 Karlez 1, S. 12; Loserth, Reformation, S. 73 Anm. 5
107 Instruktion v. 23.11.1543 in ARC 4, S. 337ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien