Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 379 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 379 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 379 -

Image of the Page - 379 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 379 -

Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 379 zeit ... die religion fuegglich anzestellen wäre“142. Der Grund dafür könnte ge- wesen sein, daß eben noch kein Entwurf für die „Reformation“, den man den Ständen hätte vorlegen können, von den theologischen Beratern des Kaisers approbiert war, und diesem Mangel vermochte der Einsatz der österreichischen Räte nicht abzuhelfen. Im endgültigen Text der Proposition wurde die Passage zum Mißfallen Giengers auf einen „weitleuffigen disputierlichen weg“ gestellt, nämlich auf wenige allgemeine Sätze ohne jede inhaltliche Konkretisierung zusammengestrichen143. Bei der Beratung im Fürstenrat verfocht Gienger die Kombination der beiden Kernpunkte, nämlich Fortsetzung und Anerkennung des Konzils einerseits, Nachdenken über eine Reformation andererseits, um im Reich Frieden zu stiften144, und da er selbst die Federführung für die Antwort des Gremiums hatte, gelang es ihm, diese Gedanken in dessen Stellungnahme zu verankern: Zwar wurde die Aufforderung an den Kaiser, für die Fortsetzung des Konzils auf Reichsboden zu sorgen, mit deutlicher Kritik am bisherigen Verlauf verbunden, und die der protestantischen Auffassung entgegenkommen- de Forderung, bereits erörterte Themen, die zwischen den Konfessionen strittig wären, müßten nochmals beraten werden, berührte ein heißes Eisen. Mit der Formulierung der zweiten Komponente als Bitte der Reichsstände, der Kaiser möge „yzt alspald bedacht sein und ordnung geben“, wie „die religionsach christlich anzustellen und zu richten“ sei, damit man im Reich in Frieden auf die Entscheidung durch das Konzil warten könne145, war aber, obwohl das Wort „Reformation“ vermieden war, erreicht, daß die Fürstenkurie mit Stim- menmehrheit den Kaiser um den Erlaß einer interimistischen Ordnung ersuch- te. Dagegen beschränkte sich das Votum des Kurfürstenrates darauf, der Kaiser möge mitteilen, welche Mittel und Wege er für die Zwischenzeit in Erwägung gezogen habe146. Von der kaiserlichen Regierung beauftragt, ein Gutachten für die den Stän- den zu erteilende Antwort vorzulegen, befanden sich Ferdinands Räte in Augs- burg in der Verlegenheit, nicht recht zu wissen, was der Kaiser eigentlich woll- te147. Doch hatten sie den Mut, ihre Überzeugung, die sie von ihrem König gedeckt wußten, so deutlich zu vertreten, wie es die Etikette zuließ. Sie beton- ten, nichts sei notwendiger, als daß der Kaiser umgehend Deutschland mit einer katholischen Reformation versorge und diese Aufgabe nicht den Ständen zur Beratung überlasse, denn dabei würde nichts herauskommen. Zur Bekräftigung 142 Anscheinend war diese Abschwächung Ergebnis einer Vorbesprechung unter Vorsitz Granvel- las, von der Gienger dem König am 1.9.1547 berichtet hat (ARC 5, S. 76–78). 143 Teildruck der Proposition ARC 5, S. 83–86, die Passage zur Religion S. 85 144 „...tamen quod interim, dummodo tam longum tempus requirat [sc. das Konzil], cogitetur de refomatione, ut interim res Germaniae pacatae sint“ (Bayerische Protokollnotiz zum 5.9.1547, gedruckt ARC 5, S. 107f, das Zitat S. 108, Z. 1–3). 145 ARC 5, S. 126–128, Das Zitat S. 128, Z. 6; vgl. Rabe, Reichsbund, S. 205 146 ARC 5, S. 128 bzw. S. 125, Z. 4 u. S. 126, Z. 15f 147 Das Gutachten – weisungsgemäß in lateinischer Sprache – gedruckt ARC 5, S. 132–136; ebda S. 132 ein dazu gehörender Bericht der Räte vom 12.10.1547 an Ferdinand. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser