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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 380 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche380 verwiesen sie auf die dem Kaiser bekannte Meinung König Ferdinands148. Wenn also der Kaiser dazu entschlossen sei und eine geeignete Reformation zur Hand habe, solle er sie „per modum constitutionis“ den Ständen zuleiten und dazu auffordern, sich danach zu richten. Wenn die Räte hinzufügten, sofern der Kaiser lieber dem Votum der geistlichen Kurfürsten folgen und die Ordnung „per modum consultationis“ vorschlagen wolle, stellten sie das seiner größeren Klugheit anheim, dann wahrten sie lediglich die Form149. Der folgende Satz, wenn der Kaiser sich noch nicht entschieden habe und noch mit dem Römi- schen König konferieren wolle, solle er eine vorläufige hinhaltende Antwort erteilen, zeigt, daß sie hofften, Ferdinand – er traf erst am 20. Oktober in Augs- burg ein – werde den Kaiser in ihrem Sinne überzeugen können. Ist Karl V. dieser Empfehlung nicht nachgekommen, weil sich die von ihm berufenen Theologen trotz der seit dem Sommer 1546 geleisteten Vorarbeiten immer noch nicht auf eine Vorlage geeinigt hatten150, die er für seine Zwecke hätte einsetzen können? Die kaiserliche Antwort an die Stände vom 18. Okto- ber konzentrierte sich – hierin dem österreichischen Gutachten durchaus fol- gend – darauf, im Blick auf die meisten mit dem Konzil zusammenhängenden Fragen grundsätzliche Übereinstimmung zwischen Kaiser und Ständen zu kon- statieren, während für die zwischenzeitliche Behandlung der Religionsfrage im Reich nur versprochen wurde, der Kaiser werde sich dazu demnächst erklä- ren151. Der Kerngedanke der religionspolitischen Konzeption Ferdinands und seiner Räte – eine entschlossene Initiative des Kaisers – war insofern für diesmal gescheitert. Die weitere Entwicklung während des Reichstages bis zu des Kaisers „Erclä- rung, wie es der Religion halben im hailigen Reich biß zu außtrag des gemainen Concili gehalten werden soll“152, ist hier nicht mehr zu verfolgen153. Die vor- wiegend von Pflug und Helding154 – zwei auch von Ferdinand empfohlenen Theologen, auf deren Urteil er von nun an stets großen Wert gelegt hat155 – erarbeitete Vorlage genügte den von seiten der beiden Habsburger an sie ge- stellten Anforderungen. Sie nahm zu den wichtigen strittigen theologischen Problemen Stellung, wobei in den Fragen der Lehre die Tendenz nicht so sehr abgrenzend, gelegentlich sogar überbrückend war, ohne die Substanz der vor- 148 „Scimus denique ex instructione nostra regiam m.tem in ea esse opinione, ut putet opus esse catholica aliqua reformatione interim, quo concilium generale successerit et debitum finem con- sequutum fuerit.“ (Ebda, S. 135, Z. 3–5) 149 Es war keine gleichwertige Alternative, wie Rabe, Reichsbund, S. 231 Anm. 95 diesen Satz interpretiert. 150 Vgl. Rabe, Reichsbund, S. 262ff; Pfeilschifter geht in ARC 6, S. 258 Anm. 1 von der Annahme aus, daß die Theologengruppe ihre Arbeit erst im Oktober aufgenommen habe. 151 Teildruck in ARC 5, S. 149f. 152 So der offizielle Titel in den Drucken aus dem Jahre 1548. Vgl. Mehlhausen, S. 16 u. 17. Mehl- hausen bietet eine synoptische kritische Edition der deutschen und der lateinischen Endfassung nach dem Original in Wien. 153 Eingehende Erörterungen in den Arbeiten von Rabe, Reichsbund, S. 407ff, und Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 442ff 154 Zum Anteil beider vgl. Feifel, S. 14, Smolinsky, S. 128 155 Sehr beeindruckt haben Ferdinand die Predigten, die Helding während des Augsburger Reichs- tages hielt, so daß er ihre Drucklegung veranlaßte (vgl. Laubach, Mahnschreiben, S. 97 Anm. 17). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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