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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 381 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Ferdinands Positionen während der Regierungszeit Karls V. 381 tridentinischen katholischen Position zu beeinträchtigen; in „minder wichtigen“ Dingen, nämlich zur Ordnung der gottesdienstlichen Praxis, machte sie einige Konzessionen, so bekanntlich zum Abendmahl unter beiderlei Gestalt und zur Priesterehe, und gestand auch in einer Schlußbemerkung die Notwendigkeit ein, „Ärgernisse“ in der Kirche abzustellen156, lieferte dazu aber keine Vor- schläge. Dieses Defizit sollte dann die „Formula reformationis“ beseitigen. Doch obwohl das „Interim“ eigentlich für alle Reichsstände hatte verbindlich werden sollen, um den Wiedergewinn der Einheit in Glauben und Kirchen- bräuchen zu fördern, konnte der Kaiser das Placet der katholischen Reichsstän- de nicht erlangen, so daß in der Vorrede differenziert werden mußte zwischen Ständen, welche die Ordnungen der katholischen Kirche bisher beibehalten hatten und weiterhin dabei bleiben sollten, und Ständen, die Änderungen ein- geführt hatten und sie nun entweder zurücknehmen oder sich nach dem Interim verhalten sollten157. Damit war aber das wichtigste Anliegen Ferdinands ver- fehlt. Er hatte das Seine getan, um den kaiserlichen Anstrengungen zum – ein- geschränkten – Erfolg zu verhelfen, indem er Gespräche führte, Gutachten veranlaßte und auf diese Weise ermöglichte, daß Karl bei den auftretenden Kontroversen eine schiedsrichterliche Position einnehmen konnte158, endlich durch Einwirkung auf widerstrebende protestantische Fürsten, die kaiserliche Regelung doch hinzunehmen. Müßig ist es, die Frage beantworten zu wollen, wie der Reichstag hätte verlaufen können, wenn das Interim schon ein halbes Jahr früher vorgelegt worden wäre, wie das Ferdinand und seinen Räten vorge- schwebt hatte. In der Folgezeit unterstützte Ferdinand gelegentlich Bemühungen von Für- sten, die das Interim befolgen wollten, bei der Kurie Dispense für verheiratete Kleriker und zur Gewährung des Laienkelches zu erlangen159; ebenso befür- wortete er die Erteilung entsprechender päpstlicher Indulte an die deutschen Bischöfe160. Dagegen lehnte er den Antrag etlicher ungarischer Stände ab, auch dort das Interim einzuführen, nahm ihn aber zum Anlaß, dem päpstlichen Nuntius einmal mehr auf die Dringlickeit des Konzils hinzuweisen161. Komplementär zum Interim verkündete Karl V. drei Wochen später die „Formula reformationis“, die als Anleitung zur Beseitigung von Mißständen in der Kirche dienen sollte162. Eine solche Reform hielt Ferdinand – wie gezeigt – schon seit zehn Jahren für erforderlich. Karl V. konzedierte den geistlichen Reichsständen, daß der Katalog auf Synoden durchzuberaten sei, und bat um Mitteilung, falls einzelne Punkte bedenklich wären; ihren Versuch aber, ein 156 Mehlhausen, S. 144. Würdigung der einzelnen Abschnitte bei Rabe, Reichsbund, S. 427ff. Vor- stufen ediert in ARC 6, S. 258ff. u. S. 308ff 157 Mehlhausen, S. 32/34 158 Rabe, Reichsbund, S. 431 159 Vgl. Bucholtz 6, S. 301 Anm. 160 F. an Karl, 7.3.1549, bei Druffel 1, S. 205ff 161 Druffel 1, S. 177 (F. an Karl, Preßburg, 2.12.1548) 162 Text ediert ARC 6, S. 348ff. Die Autorenfrage ist nicht ganz geklärt, wahrscheinlich ist die Mitarbeit des Kölner Karmeliten Eberhard Billick sowie Heldings (Vgl. ARC 5, S. 304 sowie Pfeilschifter, S. 318, dazu auch Rabe, Reichsbund, S. 447). Überblick über die angesprochenen Themen bei Loserth, Reformation, S. 78. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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