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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche382
Junktim zwischen dieser Reform und der Restitution der Kirchengüter herzu-
stellen, wies er zurück mit der Bemerkung, wenn die Reform konsequent
durchgeführt würde, werde das die Abgewichenen überzeugen und veranlassen,
das Entzogene zu restituieren163.
Wirklich tagte im November eine Salzburger Diözesansynode, und im
Februr 1549 trat die Provinzialsynode zusammen. Deren Ergebnisse stießen
aber sowohl bei Ferdinand als auch in Bayern auf Kritik, weil die Reform wie-
derum mit der Abstellung von Beschwerden der Geistlichen gegen Übergriffe
weltlicher Behörden verknüpft wurde164. Ferdinand sah darin nicht nur einen
Angriff auf die landesherrliche Jurisdiktion165, sondern auch schlechten Dank
für seine bisherigen Bemühungen um die Kirchenreform. Er warf der Synode
deswegen vor, die Prioritäten für die Reform falsch zu setzen, die auf die För-
derung der Ehre Gottes und der wahren Religion, nicht auf die weltlichen Be-
fugnisse und Besitzungen des Klerus zu zielen habe166. Längere Verhandlungen,
die er mit dem Ziel führen ließ, die Rücknahme jenes Junktims zu erreichen,
blieben erfolglos167. Der König reagierte, indem er die Publizierung sämtlicher
Beschlüsse der Synode untersagte und seinen Amtleuten einschärfte, keine Be-
einträchtigung seiner bisher ausgeübten Rechte zuzulassen168. – Ebenso führten
Meinungsverschiedenheiten zwischen Ferdinand und den Bischöfen über die
Kompetenzen 1553/54 zu monatelangen Verzögerungen, ehe beabsichtigte
Visitationen realisiert werden konnten169.
Nach dem Tode Pauls III. keimten bei den Habsburgern wieder Hoffnungen
auf die Konzilslösung. Ferdinand wandte sich mit der eindringlichen Bitte an
den Kardinal Madruzzo von Trient, er möge im Konklave für die Wahl eines
Papstes eintreten, der die Einheit der Kirche und der ganzen Christenheit zu
seinem Anliegen mache170. Die von dem neuen Papst Julius III. dann tatsächlich
verfügte Rückkehr des Konzils nach Trient171 wurde von Ferdinand begrüßt.
Er ordnete an, in allen Kirchspielen wöchentlich einmal eine Bittprozession für
das Gelingen des Konzils abzuhalten172. Trotz seiner ständig ansgespannten
finanziellen Situation ermöglichte er durch Übernahme der Kosten die Konzils-
teilname Nauseas, glaubte sich dadurch aber auch berechtigt, dem Bischof In-
struktionen zu erteilen, und übte nach dessen Voten zur Eucharistie an seinem
Auftreten Kritik, obwohl Nausea für die Gewährung der communio sub
utraque eingetreten war173. Nachdem der Reichstag 1550/51 die Verpflichtung
aller Reichsstände zur Anerkennung der Konzilsbeschlüsse wiederholt hatte
und die Geleitsfrage geklärt war, machten sich auch etliche evangelische Theo-
163 ARC 5, S. 314–316: Mündliche Erklärung des Kaisers v. 25.6.1548
164 Loserth, Reformation, S. 79f; Hantsch, Geschichte 1, S. 284f
165 Loserth, Provinzialsynode, S. 173
166 Loserth, Provinzialsynode, S. 238; Tomek 2, S. 269f
167 Loserth, Reformation, S. 91; ders., Provinzialsynode, S. 248ff
168 Ferdinands Publikationsverbot gedruckt bei Loserth, Provinzialsynode, S. 355f
169 Vgl. Wiedemann 1, S. 118ff; Reichenberger, S. 21
170 Brunner 5, S. 207: F. an Madruzzo, 24.11.1549
171 Dazu Erdmann, Wiedereröffnung, passim
172 Loserth, Reformation, S 93f
173 Jedin, Konzil 3, S. 274f; Wolf, Nausea, S. 84f; Beumer, S. 39f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien