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Wiederaufnahme des Konzilsgedankens 387
reich hatte er zu dessen Regierungsantritt seine Grundhaltung wissen lassen206.
Als dessen Dank-Gesandter im November 1559 nach Wien kam, hatten einge-
hende Gespräche über das Konzil keinen Sinn, weil das Konklave noch nicht
beendet war207. Von den Sondierungen, die der Kardinal Charles Guise seit
Ende Januar 1560 bei Philipp II. zugunsten einer gemeinsamen Konzilsinitiative
begonnen hatte, konnte Ferdinand damals noch nichts wissen, ebensowenig von
der unschlüssigen Haltung, die der spanische König bis in den Sommer hinein
zu der Frage einnahm208.
Da die Instruktion für Scipio Arco nicht erhalten ist, wissen wir nicht, wie
konkret die Ausführungen Ferdinands zur Zielsetzung und zu den Prämissen
des Konzils gewesen sind. Orientiert man sich an der Wiedergabe von Arcos
Auftrag in der ersten offiziellen Stellungnahme Ferdinands vom Juni 1560 zu
der öffentlichen Konzilsankündigung des Papstes, so hat man zu berücksichti-
gen, daß zu diesem Zeitpunkt das Ringen zwischen den beiden Häuptern der
Christenheit um die Wesensbestimmung der beabsichtigten Synode bereits
begonnen hatte. Damit die Kirche, so hieß es darin, von dem sehr belastenden
und äußerst gefährlichen Schisma befreit werde („hoc gravissimo periculosissi-
moque scismate liberaretur“), habe der Kaiser durch den Grafen Scipio um die
Veranstaltung eines „concilium christianum liberum et oecumenicum“ gebeten
– das war die alte, inzwischen von den Protestanten vereinnahmte Formel! Die
Gelegenheit sei dazu sehr günstig, weil die christlichen Herrscher in Frieden
lebten209. Als Ferdinands primäres Anliegen, als seine zentrale Aufgabenstel-
lung für das Konzil war mithin die Überwindung der Glaubensspaltung be-
zeichnet. Es gibt keinen Grund zu bezweifeln, daß sich Ferdinand seit Wieder-
beginn der Bemühungen um das Konzil als Kaiser in dieser Verantwortung
gewußt hat, trotz aller negativen Erfahrungen, die ihm die Protestanten bereitet
hatten. Er erstrebte wie vor ihm sein Bruder Karl V. das Universalkonzil als
eine „Manifestation der Christenheit, als ein Heilmittel, welches den offenbaren
Schäden der Christenheit in ihrer Gesamtheit nottat“210.
Die wesentlichste Prämisse für einen Erfolg war natürlich die Einbindung
der Protestanten. Damit sie die Teilnahme nicht a priori verweigerten, mußte
das alte Zugeständnis, das Konzil „in deutschen Landen“ abzuhalten, bestehen
bleiben. Bemerkungen des Papstes gegenüber Vargas, er wolle das Konzil an
einem Ort abhalten, wohin auch die Häretiker kommen bzw. den sie nicht
beanstanden könnten211, erlauben die Annahme, daß Scipio Arco diesen wichti-
gen Aspekt zumindest angedeutet hat. War man kaiserlicherseits vorerst nicht
präziser geworden, weil man den Papst nicht schon mit Schwierigkeiten kon-
frontieren wollte, solange man ihn für die Abhaltung des Konzils überhaupt
206 s. Kap. 10, S. 670f
207 Darum konnte der Gesandte nichts Neues dazu berichten (vgl. Fischer, S. 50).
208 Fischer, S. 51ff u. S. 54 Anm. 18. Philipp unterrichtete den Kaiser erst im Schreiben v. 12.5.1560
von der französischen Anfrage (CDI 2, S. 554ff = CDI 98, S. 140ff, dort irrtümlich auf 21.5.1560
datiert); Ehses, S. 145
209 Sickel, Konzil, S. 55; CT 8, S. 39f
210 Rassow, Kaiseridee, S. 53
211 Voss, S. 16
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien