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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche390 einer eingehenden Lagebesprechung224 im Geheimen Rat nicht nur als dürftig bewertet, man bezweifelte sogar, ob Pius IV. es überhaupt ernst meine, zumal man kritisch registrierte, offenbar wolle er sich selbst dem Konzil nicht unter- werfen, mithin Dekrete der Konzilien von Konstanz und Basel mißachten225. Aus mehreren Gründen erschien es wenig opportun, sich für das Projekt in dieser Gestalt zu engagieren: Über die negative Einstellung der Protestanten machte man sich keine Illusionen, von den geistlichen Fürsten erwartete man wegen ihrer Reformscheu keine Unterstützung, die päpstlichen Vorstellungen von der Durchsetzung der Beschlüsse wurden als unvereinbar mit dem Religi- onsfrieden beurteilt. Hinzu kam Unsicherheit über die Haltung Frankreichs und Spaniens. Die französische Reaktion vermochte man überhaupt nicht abzu- schätzen, war auch darüber verstimmt, daß die Franzosen allein mit Spanien Gespräche aufgenommen hatten – sie seien nur auf Sondervorteile aus. Bei Philipp II. unterstellte man zwar, daß er sich letztlich nicht vom Kaiser abson- dern werde, aber mit seiner jüngsten Äußerung, der man eine Zustimmung zur Aufhebung der Suspension des Tridentinums entnahm, war man unzufrie- den226. Insgesamt sah man sich von Pius IV. in eine delikate Situation manö- vriert. So stellte sich die Aufgabe, den Papst von seiner Entscheidung wieder abzubringen, ohne dabei in Widerspruch zu der durch Scipio Arco in Rom vorgetragenen Position zu geraten, um glaubwürdig zu bleiben. Andererseits sah Ferdinand sich durch Amt, Gewissen und Reichstagsbeschlüsse verpflichtet, das Konzil nicht abzulehnen227. Zweifellos ist hier sein eigenes Votum zu grei- fen, und dieser Gesichtspunkt wurde richtungweisend. Konsens bestand dar- über, die Antwort sehr sorgfältig formulieren zu müssen, damit der Papst nicht Gelegenheit fände, dem Kaiser die Schuld für einen Mißerfolg zuzuschieben. Positive Anregungen, wie man aus der Klemme herauskommen könnte, ver- merkte das Protokoll noch nicht. Die Generallinie der kaiserlichen Reaktion, wie sie sich in der Sitzung des Geheimen Rates abgezeichnet hatte, wurde in einem umfangreichen Memoran- dum eingehend ausgeführt, das Hosius am 20. Juni zur Kenntnis gegeben wur- de228; ein zweites, als „Resolution“ des Kaisers betiteltes Papier, das dem Nun- tius gleichzeitig überreicht wurde, stellte gleichsam den Extrakt dar229. Dem 224 „Consultatio quid agendum sit C. Mti in negocio concilii, habita 5 Junii 1560“, d.i. ein Auszug aus dem Protokoll des Geheimen Rates, der zu den Konzilsakten (HHStA Wien, RK RelA 5) genommen wurde (Druck bei Sickel, Konzil, S. 49f, gute Übertragung ins Deutsche bei Eder, Reformvorschläge, S. 39f). 225 Besonders dachte man wohl an das Konstanzer Dekret „Haec Sancta“ (dazu Brandmüller 1, S. 239ff, bes. S. 253f, und 2, S. 431). 226 Philipp hatte mitgeteilt, er begrüße die Absicht des Heiligen Vaters, ein Konzil abzuhalten, habe ihm aber nahegelegt, sich mit dem Kaiser über die Modalitäten abzustimmen (CDI 98, S. 140ff: Philipp an F., 12.5.1560). 227 „...si Mtas S. plane abstineret tacite vel expresse ab hoc negocio, faceret contra officium suum et conscientiam et contra decreta ac recessus conventum imperialium...“ (Sickel, Konzil, S. 50). 228 In CT 8, S. 39ff ist der endgültig nach Rom gegebene Text kritisch ediert, während Sickel, Kon- zil, S. 55ff eine Zwischenstufe bietet. 229 „Resolutio C. Mtis in negocio concilii pro summo pontifice“ (Sickel, Konzil, S. 53f, dazu ebda, S. 70). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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