Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 392 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 392 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 392 -

Image of the Page - 392 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 392 -

Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche392 te, nicht über oder auch nur neben ihm stand234. Die Kritik am Tagungsort Trient – die Stadt sei für eine so große Versammlung zu klein – wurde durch mehrere Alternativen ergänzt; an erster Stelle schlug Ferdinand Köln vor, da- nach Regensburg und Konstanz (Punkt 4) – letzteres vielleicht, weil Pius IV. dieses Bistum einem Neffen zu verschaffen hoffte235. Endlich wurde verlangt, den Beanstandungen der Protestanten im Blick auf Geleit und freies Gehör am Konzil müsse Rechnung getragen werden (Punkt 5). Diese Betrachtungen dienten der Vorbereitung des sechsten Punktes, in dem gegen die beabsichtigte Aufhebung der Suspension des Trienter Konzils votiert wurde. Sie sei bedenklich, weil dann die erforderliche Universalität nicht er- reichbar sei, würden doch die früheren Tagungen nicht nur von den Protestan- ten, sondern auch von manchen katholischen Fürsten – gemeint war in erster Linie Frankreich – nicht anerkannt; daher könne der Kaiser nicht erkennen, wie eine Fortsetzung des Konzils möglich sei, zumal die seinerzeit festgelegte Frist von zwei Jahren längst verstrichen sei. Diese Begründung ist relativ verhalten, die Einwände und die Quintessenz sind in der kurzen „Resolutio“ viel schärfer ausgedrückt236. Sie belegt, daß es Ferdinand darum ging, die Aufhebung der Suspension zu verhindern: Ihre Verkündung werde in der Christenheit, vor allem im Reich, zu Unruhen führen. Man könne nicht auf Früchte des Konzils hoffen, wenn die Deutschen und andere Nationen fernblieben, und viele woll- ten die Trienter Versammlung auf keinen Fall anerkennen. Stattdessen möge der Papst sich dem Gedanken zuwenden, ein neues Konzil durchzuführen, von dem bessere Ergebnisse zu erwarten seien, denn dann könne man mit den Anhän- gern der Augsburger Konfession gütlich über ihre Teilnahme verhandeln, die sie aber ablehnen würden, wenn von ihnen die Annahme der früheren Dekrete verlangt würde. Nur in diesem kurzen Schriftstück ist Ferdinands Alternativ- vorschlag so eindeutig zum Ausdruck gebracht, das Stichwort „neues Konzil“ wird zweimal kurz hintereinander gebraucht. Zwar stand die Schlußfolgerung, auf die die Argumentation hinauslief, expressis verbis auch im Entwurf des ausführlichen Memorandums: Es werde dem Papst zur Ehre gereichen, wenn er seinen Beschluß beiseite schiebe, das Trienter Konzil fortzusetzen, und ein neues Konzil außerhalb Italiens veranstalte237. Jedoch wurde der Satz gestrichen und durch die blumige Andeutung ersetzt, es wäre viel rühmlicher, wenn späte- re Zeiten jenes fromme Werk ganz dem Papste Pius zurechnen würden238. Die Zurückhaltung sollte sich als taktischer Fehler erweisen. Mit wenigen Sätzen kündigte die „Resolutio“ schließlich an, der Kaiser wolle schon jetzt die beiden viel diskutierten Probleme Laienkelch und Priesterehe, deren Gewährung viel Unheil abwenden könne, mit dem Papst erörtern. Im Memorandum wurde dazu dargelegt, zur Rückgewinnung großer Teile der Bevölkerung bzw. zur Verhinderung weiteren Abfalls von der Kirche sei es 234 Vgl. dazu seine oben S. 375 zitierten Äußerungen zu Karlowitz aus dem Jahr 1545. 235 Vgl. Sickel, Konzil, S. 47 236 Übrigens auch im Entwurf, doch wurde an dieser Stelle gekürzt (s. CT 8, S. 44 Anm. d). 237 „si Stas Sua, postposito consilio suo prosequendi concilium Tridentinum, novum concilium extra fines Italiae publico Christianitatis beneficio celebrandum susceperit“ (CT 8, S. 45 Anm. a). 238 Bei Sickel, Konzil, S. 61 findet man nur diese Endfassung. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser