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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 394 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche394 Grund wurde in einer Sprachregelung für Prosper Arco in Rom243 besonderes Gewicht auf das Argument gelegt, es sei unmöglich, die Protestanten mit Ge- walt zur Teilnahme am Konzil oder zur Unterwerfung unter seine Beschlüsse zwingen zu wollen; Arco könne den Papst an seine persönlichen Erfahrungen während des Schmalkaldischen Krieges erinnern244, um ihn zu überzeugen. – Hosius kritisierte einzelne Sätze in den theologischen Begründungen für die Reform- und Konzessionsforderungen245; das wurde berücksichtigt, seine taktlose Bemerkung aber, das Memorandum erwecke den Eindruck, als ob Protestanten daran mitgewirkt hätten, verbat sich der Kaiser mit Schärfe246. Nächster Schritt einer dynamischen kaiserlichen Konzilspolitik hätte sein müssen, die beiden anderen führenden katholischen Mächte für eine konzer- tierte Aktion zugunsten der Neuberufung des Konzils zu gewinnen. Indessen gibt es keine Indizien dafür, daß Ferdinand die Absicht gehabt hätte, den Papst auf diese Weise unter Druck zu setzen. Im Gegenteil sollte sich mehrmals er- weisen, daß Rom gegenüber einer habsburgischen Kooperation den Vorteil der „inneren Linie“ hatte und zu nutzen wußte. Vorerst begnügte sich Ferdinand damit, auf die Ankunft des schon nach Wien aufgebrochenen französischen Botschafters Bochetel zu warten und Philipp II. über seine Antwort an den Papst zu informieren. Er übersandte ihm das Memorandum und legte dem Neffen im Begleitschreiben seine Position ungeschminkt dar: Nicht die Fortsetzung des Trienter Konzils, sondern eine neue Synode sei angebracht, denn ersteres werde in Deutschland und England Krieg auslösen, und es sei tunlich, wenn der Papst schon vorher mit Reformen beginne und für Deutschland die beantragten Konzessionen gewähre247. Indes- sen waren die Chancen für eine gemeinsame Politik der drei Mächte bereits minimal. Beeindruckt von den Gefahren, die von dem in Frankreich angekün- digten Nationalkonzil ausgehen konnten, hatte Philipp II. sich Mitte Juni an- ders entschieden und sich gegenüber der Kurie zugunsten der Fortsetzung des Trienter Konzils festgelegt248. Dieser Entschluß war Ende Juni in Wien eben- sowenig bekannt wie das mit den kaiserlichen Ansichten größerenteils kongru- ente Votum Frankreichs für ein neues Konzil an einem neuen Tagungsort im Reich, um die Teilnahme der Protestanten möglich zu machen, das mit der Forderung nach rascher Einberufung aber einen abweichenden Akzent hatte249. Wunder geschehen, aber man solle Gott nicht versuchen. Als ihm Hosius daraufhin Kleinglau- ben vorwarf, führte Ferdinand das Gespräch nicht weiter. 243 HHStA Wien, RK RelA 5, fol 8ff: Weisung an Arco v. 20.6.1560 (Entwurf und Reinkonzept); Druck bei Sickel, Konzil, S. 73f, dessen Datierung (26.6.) Rill, Arco, S. 13 Anm. 21, korrigiert hat. 244 Vgl. Pastor, Päpste 7, S. 66 245 Gute Zusammenfassung bei Reimann, Unterhandlungen, S. 600f; Wortlaut bei Bucholtz 9, S. 678ff, dessen falsche Zuordnung Reimann und Sickel, Konzil, S. 70, korrigiert haben. 246 NB II 1, S. 64 247 wie Anm. 240 248 Pastor, Päpste 7, S. 148; Jedin, Konzil 4/1, S. 25. Wien erfuhr davon durch Briefe Philipps an Ferdinand und Luna v. 24.6.1560 (CDI 98, S. 152f u. 149ff). 249 CT 8, S. 35ff: Instruktion für den Abt von Manna; dazu Evenett, S. 120ff, Fischer, S. 95f, Voss, S. 54f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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