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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 397
sei; bei Verhinderung der Fortsetzung des Tridentinums drohten der Christen-
heit neue Niederlagen. Was ihm von anderen Leuten über nötige Konzessionen
eingeflüstert worden sei – eine wenig faire Unterstellung –, müsse ihn ebenfalls
bewegen, ohne weitere Einwände der Kontinuation zuzustimmen, denn die
Kompetenz für die Entscheidung über diese Fragen liege beim Konzil.
Die Übergabe dieser Erwiderung wurde nicht dem kantigen Hosius anver-
traut, sondern Delfino übertragen, von dem man wegen seiner gewandten Um-
gangsformen annahm, daß er den Kaiser leichter umstimmen könne, wenn er
durch mündliche Erläuterungen die Schärfen des päpstlichen Schreibens mil-
derte264. Delfino sollte an Ferdinands Amtsethos appellieren: Als katholischer
Kaiser könne er nicht, nachdem er früher dem Konzil in Trient zugestimmt
habe, jetzt Schwierigkeiten machen, weder der Papst noch die anderen katholi-
schen Fürsten hätten dafür Verständnis. Delfino erhielt Vollmacht für die War-
nung, der Papst müsse, wenn der Kaiser seine Mitwirkung verweigere, wegen
der schlimmen Zustände in Frankreich, Schottland und Deutschland das Konzil
an einem anderen sicheren Ort in Italien halten und werde die deutschen Bi-
schöfe dorthin laden. Für den Fall, daß Ferdinand gar nicht einlenken wolle,
wurde eine Rückzugslinie eröffnet: Dann sei der Papst eventuell bereit, aus
jedem Land vier Bischöfe nach Rom zu Beratungen über Kirchenreformen zu
rufen265. Die wichtigste Ergänzung war die klare Markierung der päpstlichen
Position zur Rücksichtnahme auf die Protestanten: Sie sei unangebracht, weil
jene das Konzil überhaupt nicht wollten; dennoch wolle es der Heilige Vater
unter auch für sie fairen Bedingungen durchführen266.
Bei der ersten Audienz für Delfino äußerte Ferdinand zwar Genugtuung
über diesen mündlichen Austausch mit dem Papst durch einen alten Freund –
eine Spitze gegen den anwesenden Hosius –, aber er beschwerte sich über die
aus Rom vernommenen Tadel wegen der angeregten Konzessionen. Die Aus-
führungen Delfinos, warum der Papst auf der Fortsetzung des Trienter Konzils
beharrte und in welcher Weise die Protestanten angehört werden sollten, quit-
tierte er nur mit der Zusage sorgfältiger Prüfung der ihm überreichten schriftli-
chen Antwort267. In einem zweiten Gespräch suchte Delfino ihm einzureden,
die Franzosen und andere Gegner des Konzils mißbrauchten unter dem Vor-
wand, ein neues sei erforderlich, das Ansehen des Kaisers268.
In die Überlegungen für seine Erwiderung bezog Ferdinand Konsultationen
der Gesandten Frankreichs und Spaniens ein, um sich über die Positionen ihrer
Regierungen zu vergewissern. Bochetel hatte gerade eine Bestätigung erhalten,
daß Franz II. das Konzil von Trient und diese Stadt als Tagungsort auch dann
ablehnen werde, wenn der Kaiser zustimmen würde. Luna konnte ihm nur zum
264 NB II 1, S. 100ff: Instruktion für Delfino, August 1560
265 Diesen Gedanken hatte Pius IV. auch zu Arco geäußert (Sickel, Konzil, S. 82f; zur Datierung des
Berichts vgl. NB II 1, S. 99).
266 Auf den in der Instruktion ebenfalls enthaltenen Ansatz, die Nachfolge Maximilians als abhän-
gig von der Zustimmung zur päpstlichen Konzilspolitik darzustellen, wird an anderer Stelle ein-
gegangen (Kapitel 9, S. 581).
267 NB II 1, S. 123ff: Bericht beider Nuntien v. 3.10.1560
268 Ebda, S. 125; vgl. Ehses, S. 156
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien