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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 399 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 399 erklärte Pius IV. abermals für die Öffentlichkeit, er müsse nun unverzüglich die Suspension des Trienter Konzils aufheben, was aber keine Entscheidung über die Bestätigung oder Außerkraftsetzung der bisherigen Dekrete bedeute; eine spätere Verlegung nach Mantua, Vicenza oder Montferrat (alle drei nominell zum Reich gehörig) sei denkbar278. Arco handelte im Sinne Ferdinands, wenn er sofort vor Übereilung warnte, und im Gespräch unter vier Augen steckte Pius IV. zurück: Wenn der Kaiser für die Zeit seiner Versuche, ob bei den Prote- stanten etwas zu erreichen sei, den französischen König zum Verzicht auf das Nationalkonzil bewege, könne der gerade verkündete Beschluß geändert wer- den279. Kurz darauf gab er dem Orator das Versprechen, die angeforderten Stellungnahmen der großen Mächte doch abzuwarten280, Mitte Oktober aber schränkte er das wieder ein, länger als bis zum Martinstag könne er nicht mehr warten, obwohl er nicht glaube, daß das französische Nationalkonzil überhaupt noch verhindert werden könne281. Selbst die um ehrerbietige Zurückhaltung bemühte schriftliche Antwort Fer- dinands an den Papst läßt sein Befremden über die geringe Würdigung seiner wohlgemeinten Ratschläge in Rom erkennen. Bezeichnend sind die Bemerkun- gen, er sei ja darum gebeten worden und es liege ihm fern, dem Papst Vor- schriften machen zu wollen. Sowohl in der schriftlichen Antwort als auch in seiner Rede sprach sich Ferdinand unmißverständlich gegen die Fortsetzung des Trienter Konzils aus, obwohl er für seine Person damit keine Probleme habe. Präzisierend fügte er in letzterer hinzu, „sed novum potius indicendum ac cele- brandum“282. Aber weil es ihm um die Universalität ging, nutzte er nicht nur die französische Ablehnung der zweiten Tagungsperiode als Argument, son- dern blieb bei der Forderung, man solle die Synode so einrichten, daß die ande- ren Fürsten und auch die Stände der Augsburgischen Konfession Grund hätten, daran teilzunehmen283, andernfalls sei die Teilnahme Englands, Schottlands, Dänemarks, Schwedens, Polens, Venedigs (!) und der Schweizer Eidgenossen fraglich. Ferner bestand er auf der persönlichen Teilnahme des Papstes und sagte sein eigenes Erscheinen für diesen Fall zu – ein auf Anraten Selds einge- fügter Zusatz284. In der Rede ergänzte er, wenn der Papst fernbleibe, würden die Protestanten das Konzil als unfrei kritisieren und spotten, der Heilige Geist müsse aus Rom zu Pferde dorthin geholt werden285. Daß er die in Aussicht gestellte wohlwollende Anhörung der Protestanten für nicht ausreichend hielt, geht aus seiner Forderung hervor, als der Vater der Christenheit solle der Papst sie eigens durch Legaten zur Beschickung des künftigen Konzils einladen, denn niemand könne ihre Bedenken überzeugender zerstreuen. Mündlich spitzte er 278 Vgl. die zusammenfassende Auswertung aller Berichte bei Rill, Arco, S. 16f 279 Sickel, Konzil, S. 95f: Arco an F., 24.9.1560, mit Nachschrift v. 25.9. 280 Sickel, Konzil, S. 98: Arco an F., 5.10.1560; dazu Rill, Arco, S. 18 281 Sickel, Konzil, S. 104: Arco an F., 15.10.1560; vgl. Voss, S. 103f 282 Sickel, Konzil, S. 109 283 „...ita debere institui concilium, ut ceteri principes Christiani ac ipsi quoque Augustanae confes- sionis ordines causam habeant in eo interveniendi...“ (CT 8, S. 83). 284 CT 8, S. 82, Z. 25–28 285 Sickel, Konzil, S. 112; NB II 1, S. 134. Es war zugleich Kritik an der während der beiden ersten Tagungsperioden geübten Praxis. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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