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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche400 zu, er könne zwar nicht garantieren, daß die protestantischen Reichsstände bei einer Neuansetzung ihre letztens formulierten Bedingungen fallen lassen und zum Konzil kommen würden, aber er sei sicher, daß bei Beharren auf der Wie- deraufnahme des Tridentinums alle Bemühungen um sie vergeblich sein wür- den286; Delfino notierte, der Kaiser habe wörtlich gesagt, die Kontinuation er- laube den Lutheranern zu behaupten, der Papst wolle jene, weil er gar kein Konzil wolle, „et illorum ratio haec est, quod S.Sta. vult illud, quod maior pars mundi non vult“287. Ferdinand fuhr fort, weil der religiöse Zwiespalt von Deutschland ausgegangen sei, müsse die Beseitigung der dortigen Ursachen Vorrang haben, und darum erwarte er, der Jahrzehnte dort gelebt habe und die Entwicklung genauer kenne als irgendwelche Ausländer, daß seine Empfehlun- gen ernst genommen würden. Wegen der Zustimmung der anderen Herrscher zu einer neuen und zweifellos mehr Frucht versprechenden Synode brauche der Papst keine Sorgen zu haben, zumal das Konstanzer Konzil ein Dekret erlassen habe, wonach alle zehn Jahre ein ökumenisches Konzil stattfinden solle, und diese Zeitspanne sei seit dem Beginn (!) der letzten Trienter Tagung nahezu verstrichen288. Dennoch, obwohl er richtig urteilte, daß das Festhalten am Ta- gungsort Trient weithin als Entscheidung für die Fortsetzung des alten Konzils interpretiert werden würde, erklärte er sich bereit, in diesem Punkt nachzuge- ben; in seiner Rede machte er noch den Kompromißvorschlag, stattdessen Innsbruck zu wählen, wo er die gleiche Sicherheit garantieren könne und ver- gleichbare räumliche Möglichkeiten vorhanden seien289. Im letzten Teil der Ansprache stellte er sogar den Reformwillen des Papstes indirekt in Frage, in- dem er die Praxis bei der Promotion von Kardinälen attackierte; er verlangte die Beachtung der vom Baseler Konzil erlassenen Bestimmungen über die erfor- derlichen persönlichen Qualitäten eines Kardinals und zur Zusammensetzung des Kollegiums290. Auch ohne Namensnennungen war sein negatives Urteil über die im Januar von Pius IV. vorgenommene Erhebung blutjunger Ver- wandter und Prinzen unüberhörbar, und ebenso wurde die wenig geistliche Handhabung des päpstlichen Dispensrechtes getroffen291. Die mehrmalige Be- rufung auf die an der Kurie verpönten Konzilien von Konstanz und Basel war ein deutlichen Wink, daß Ferdinand in bestimmten Fragen die Kirchenver- sammlung als höhere Instanz betrachtete292. 286 Sickel, Konzil, S. 109f (vgl. CT 8, S. 83 Anm. d); die Passage wurde auf Anraten Selds aus der schriftlichen Antwort herausgenommen (ebda, S. 99). 287 NB II 1, S. 133 288 Sickel, Konzil, S. 111; NB II 1, S. 133. Gemeint ist das Konstanzer Dekret „Frequens“ (dazu Brandmüller 2, S. 355ff). In der schriftlichen Antwort steht kein Hinweis auf das Konstanzer Konzil. 289 Sickel, Konzil, S. 113; NB II 1, S. 134 u. S. 136; schon am Vortag hatte Ferdinand diesen Vor- schlag Luna mitgeteilt (CDI 98, S. 179). 290 Vgl. zu dem Dekret Gill, S. 249f 291 Sickel, Konzil, S. 113f; NB II 1, S. 148; dazu Birkner, S. 341 292 Die von Loewe, S. 63ff, entwickelte These, dieser Teil sei von Franz von Cordoba konzipiert worden (modifiziert von G. Eder, Reformvorschläge, S. 62ff), steht methodisch auf schwachen Füßen. Nicht stichhaltig ist Loewes Argument, wegen des Rückgriffs auf Baseler Dekrete könnten diese Passagen nicht von Seld, dem er Prinzipienschwäche vorwirft, herrühren (S. 39f); CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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