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Auseinandersetzungen mit Rom über die Rahmenbedingungen des Konzils 401
Der prinzipielle Dissens zwischen den Auffassungen der beiden Häupter der
Christenheit über die Zielsetzung für das Konzil war unübersehbar. Der Papst
rechnete nicht mehr mit der gutwilligen Rückkehr der „Häretiker“ in den
Schoß der römischen Kirche, während er die Möglichkeit nicht ausschloß, sie
gewaltsam zurückzuzwingen, und mehrmals Pläne für ein Bündnis der katholi-
schen Mächte schmiedete293. Kaiser Ferdinand dagegen verwarf Gewaltanwen-
dung, weil sie mit dem Religionsfrieden unvereinbar war, während er an dem
Ziel festhielt, auf diskursivem Wege die Einheit der Christenheit wiederherzu-
stellen. Dafür bestand nur eine Chance, wenn die Protestanten zum Konzil
kamen; sofern der Heilige Geist dort wehte, konnte er sie dann wohl erleuch-
ten. Und nur wenn sie teilnahmen, weil sie sich ernst genommen sahen, würden
die Bischöfe des Reichs die Angst überwinden, ihre Stifte könnten während
ihrer Abwesenheit von jenen besetzt werden, und ihrerseits kommen.
Zwar nicht allein, doch auch wegen der Weichenstellungen vor und in Trient
während des Pontifikats Pius’ IV. erscheint aus der Rückschau die Einschät-
zung des Papstes als realistischer, und sub specie Ecclesiae Romanae Catholicae
dienten viele der damaligen Entscheidungen ihrem Wohl. Aus heutiger ökume-
nischer Sicht indessen verdient das Streben Kaiser Ferdinands I. nicht nur allen
Respekt, man darf es auch bedauern, daß er damals in Rom wie bei den Prote-
stanten keinen Widerhall gefunden hat.
Während Delfino Schweigen vorzog, glaubte Hosius, Ferdinand mit der Be-
hauptung widersprechen zu sollen, er wisse, daß mehrere protestantische Für-
sten Trient akzeptieren würden, erfuhr dafür aber die barsche Zurückweisung:
„Du bist älter und gelehrter als ich, aber was in Deutschland passiert, weiß ich
besser als Du!“ Auf seine Verteidigung des päpstlichen Reformwillens durch
Verweis auf die kürzlich eingeschärfte Residenzpflicht der Bischöfe erhielt er
vom Kaiser die Antwort, das genüge keineswegs, und es bedürfe in Rom ande-
rer Reformen als im Lande draußen294. Den Versuch der Nuntien, aus der
schriftlichen Erwiderung die letzte Passage streichen zu lassen, in der Ferdinand
die Konzession von Laienkelch und Priesterehe als erwägenswerte Anregungen
rechtfertigte und sich gegen die darauf gezielten polemischen Unterstellungen
verwahrte295, blockte Seld am Nachmittag mit der Begründung ab, der französi-
sche Botschafter habe bereits eine Abschrift erhalten296.
Seld hat in seinem Gutachten von 1558 unter Berufung auf Konstanz und Basel erklärt, wenn es
um eine allgemeine Kirchenreform gehe, stehe das Konzil über dem Papst (vgl. oben Kapitel 4,
S. 269 mit Anm. 86). Im übrigen war Cordoba erst seit einem Jahr in Wien als Beichtvater der
Schwiegertochter Ferdinands tätig, es gibt keine Indizien, daß er damals in politischen Fragen
um Rat gebeten worden wäre. Mit Recht bewahrt Ganzer, Reformer, S. 317, Distanz.
293 Vgl. Kapitel 10, S. 623
294 NB II 1, S. 137. Dieser Bericht erweckt den Eindruck, als habe Hosius einige der oben in der
Zusammenschau von schriftlicher und mündlicher Antwort referierten Aussagen Ferdinands
erst provoziert.
295 CT 8, S. 84f (Z. 38ff)
296 NB II 1, S. 138f. Gegenüber Herzog Albrecht gab Seld seinem Mißvergnügen über diesen
„seltzamen modum zu tractirn“ Ausdruck, der Verhandlungen zwischen den „höchsten heup-
ter[n] der Christenheit“ nicht angemessen sei (wie Anm. 270).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien