Page - 404 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Image of the Page - 404 -
Text of the Page - 404 -
Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche404
sauer Vertrages und des Religionsfriedens sei, sei er dazu verpflichtet, die
„gantz und gar unleidenliche Tridendtisch Continuation weder jetzo noch
khunfftiglich zu kainer zeitt in ainichem weg“ zu akzeptieren, und gewarnt,
wenn er sich doch überreden ließe, könnte es im Reich zu kaum beherrschbaren
Unruhen kommen310. Von Angeboten, ihre Theologen würden auf dem Konzil
angemessen angehört werden, hielten sie nichts, denn jenes Versprechen Karls
V. sei seinerzeit (1552) nicht eingehalten worden. Endlich hatte Herzog Chri-
stoph als besten Weg zur dem Kaiser so am Herzen liegenden Überwindung
der Glaubensspaltung ein „National Concilium“ (so Zasius) unter persönlicher
Leitung Ferdinands angeregt, an dem die geistlichen und weltlichen Fürsten des
Reichs persönlich mit ihren Theologen teilnehmen und jeder freies Rederecht
erhalten sollte; das Generalkonzil solle dadurch nicht verhindert, sondern ihm
vorgearbeitet werden311. Der Bericht wurde am 26. Oktober im Geheimen Rat
besprochen312 und nach geringfügiger Überarbeitung und Übersetzung ins
Lateinische an Arco geschickt mit der einleitenden Bemerkung, diese Meldun-
gen verdienten bei den das Konzil betreffenden Überlegungen Beachtung313.
Spanien und Frankreich wurden ebenfalls informiert314.
Erstaunlich ist, daß Ferdinand anscheinend die Weitergabe solcher Doku-
mente sowie seiner eigenen Stellungnahmen für ausreichend hielt, um Philipp
II. für die eigene Politik zu gewinnen. Seine Zuversicht, der Neffe werde die
Mitwirkung an einem auf Wunsch des Kaisers und Frankreichs neu einberufe-
nen Konzil nicht verweigern, war anscheinend unerschüttert315 – oder zog er
aus Äußerungen Lunas einen Trugschluß? Der Gesandte Philipps räumte Ende
Oktober ein, wenn das Konzil ohne Nachteil für den Heiligen Stuhl neu ange-
sagt werden könnte und von Trient nicht mehr gesprochen würde, könnte das
in Deutschland und Frankreich Vorteile bringen, obwohl er glaubte, nur wenige
deutsche Fürsten wären ernsthaft interessiert316. Was er von Zasius’ Bericht
erfuhr, beeindruckte ihn so, daß er an seine Kollegen in Rom weitergab und zur
310 An anderer Stelle heißt es, die Erzwingung der Kontinuation sei nichts anderes als vorsätzliches
Zerreißen des Religionsfriedens (fol 421r).
311 Christoph nahm damit eine der im Reich vor 1555 diskutierten Alternativen zum Generalkonzil,
die „Nationalversammlung“, noch einmal auf (vgl. Laubach, Nationalversammlung, bes. S. 45).
Am 9.5.1561 schrieb er an Maximilian, „wo von ... Kays. Maj. auf einen National-Synodum ge-
drungen, und daß der im Reich teutscher Nation gehalten, dergleichen auch in der Krone Frank-
reich gesucht und vorgenommen würde, es sollte zu einer christlichen Vergleichung der beste
und richtigste auch nützlichste Weg seyn...“ (Le Bret, S. 199).
312 HHStA Wien, RHRP 17, fol 257r. Abwegig ist die Interpretation von Bergmann, S. 247ff,
Ferdinand habe sich die Idee Christophs zu eigen gemacht; schief auch Fischer, S. 159, denn Za-
sius führte darüber keine „Verhandlungen“.
313 Sickel, Konzil, S. 123ff; Übersetzung der Instruktion ins Deutsche bei Bucholtz 8, S. 377ff. Sogar
das Anerbieten, wenn der Papst es wagen solle, etwas gegen Ferdinands Willen zu unternehmen,
„so solte E. Mt. inen die sorg lassen, solchem mit behender auffsteuberung ain schnelle end-
schafft zu geben“ (fol 421v), wurde Arco weitergegeben (S. 125 bzw S. 379).
314 Vgl. CDI 98, S. 184. Eine Kopie der Weisung an Arco befand sich früher in AN Paris, K 1494 =
B12 = 21 Mi 97 Stück 4: Berichte Chantonnays an Philipp II.
315 Der Gedanke findet sich nahezu wortgleich in dem Protokoll v. 5.6.1560 (Sickel, Konzil, S. 50)
und der Instruktion für Arco v. 28.11.1560 (s. unten Anm. 324).
316 CDI 98, S. 184f: Luna an Ph., 28.10.1560; vgl. Voss, S. 114
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the
book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien