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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 411 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Gründe für die lange Verzögerung der kaiserlichen Teilnahmezusage 411 daß die kaiserlichen Abgesandten ihren Auftrag früher als die Nuntien ausrich- ten mußten352. Die Antworten bestätigten Ferdinands Warnungen: Unter Be- rufung auf Passauer Vertrag und Augsburger Religionsfrieden wurde Ferdinand aufgefordert, als „löblicher Deutscher Kayser“ [nicht: Römischer!] die evangeli- schen Reichsstände vor feindseligen Aktionen unter dem Deckmantel eines „angemaßten concilii“ zu schützen. Aus der publizierten päpstlichen Bulle sei abzuleiten, „das der Babst unter dem schein eines gemein concilii damit umbge- hen solle, das hiebevorn verloschene Concilium zu Triendt wiederumb zu con- tinuiern“; damit werde ihren Vorstellungen von einem freien Konzil – die wie- derholt wurden – nicht genügt, zumal in Trient ihr Glauben verurteilt worden sei und ihnen das Stimmrecht vorenthalten werde353. Die Bemerkung, dies sei keine abschließende Stellungnahme, weil nicht alle Stände zugegen und die Anwesenden nicht instruiert wären, nutzten die kaiserlichen Räte, um eine auf den Eventualfall gestellte Anweisung auszuführen, nämlich einen Reichstag als angemessenes Forum für Beratungen über die Beschickung des Konzils durch die Reichsstände zu propagieren354. Erheblich schroffer war die Reaktion auf das Vorbringen der Nuntien. Sie wurden zwar höflich angehört, die Breven des Papstes aber wurden zurückgewiesen, weil die – übliche – Anrede „geliebter Sohn“ unakzeptabel sei. In der schriftlichen Antwort hieß es dann, nicht die Anhänger der Augsburgischen Konfession, sondern die römische Kirche sei in beklagenswerten Irrtümern befangen. Dem „Bischof von Rom“ stehe die Ein- berufung des Konzils gar nicht zu, weil die Päpste am ganzen Elend die Haupt- schuld trügen. Darum könnten die evangelischen Reichsstände nicht dulden, daß ihnen der Papst Gesetze vorschreiben wolle, „dann sie erkennen keines andern Macht oder Oberhoheit denn ihres Keysers Ferdinandi“, dessen Ge- sandten sie soeben ihre Ansichten über das allgemeine Konzil mitgeteilt hät- ten355. Noch etwas weiter ging der Rat der Stadt Straßburg, dessen Antwort Delfino ein Vierteljahr später Ferdinand übermittelte: An einem vom Kaiser „tamquam supremo capite“ gemäß Reichsbeschlüssen angesetzten Universal- oder Nationalkonzil mit Stimmrecht für die protestantischen Reichsstände werde man teilnehmen und sich ihm unterwerfen, dem Papst aber erkenne man keinerlei Autorität zu356. Nach dem Eingang der negativen Antwort aus Naumburg ordnete Ferdinand umgehend an, sie sowohl Arco in Rom als auch Gamiz in Brüssel zur Weiter- leitung nach Spanien zuzusenden; Bochetel wurde mitgeteilt, der Kaiser wolle abwarten, was der Papst und andere Fürsten nun tun würden357. In der beglei- tenden Weisung für Arco kommentierte Ferdinand, nachdem die sehr unge- 352 Mehrere Berichte zwischen dem 31.1. und 8.2. in HHStA Wien, RK RelA 6; in Auszügen ge- druckt bei Sickel, Beiträge, S. 520ff; Referat ihrer Werbung bei Heppe 1, S. 396. Zum Verlauf Reimann, Sendung, S. 246ff; Jedin, Konzil 4/1, S. 46ff 353 In HHStA Wien, RK RelA 6 liegen zwei schriftliche Antworten: vom 6.2.(fol 64r-66v) und vom 7.2. (fol 76r-80v); erstere ist in letztere teilweise inseriert. Zum Inhalt Heppe 1, S. 399, Reimann, Sendung, S. 249f 354 Sickel, Beiträge, S. 525 u. 528f 355 Gedruckt bei Goldast, Reichshändel, S. 453f; vgl. Pastor, Päpste 7, S. 173f 356 NB II 1, S. 355f 357 HHStA Wien RHRP 20b: Einträge zum 14.2.1561 (zitiert NB II 1, S. 219) und zum 16.2.1561 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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