Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 412 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 412 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 412 -

Image of the Page - 412 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 412 -

Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche412 schickte („odiosissima“) Erwähnung der Kontinuation so abschreckende Wir- kung habe, werde die Berechtigung seiner früheren Ratschläge vom Papst hof- fentlich eingesehen werden; er fügte hinzu, eine Beschickung des Konzils zum vorgesehenen Termin sei nach dieser Antwort nicht möglich, denn er müsse erst die Reaktion der katholischen Reichsstände erkunden358. Er hoffte mithin noch auf eine Kurskorrektur in Rom. Sein paralleles Werben bei Katharina von Me- dici um Verständnis, wenn der Beginn des Generalkonzils sich verzögern wer- de359, war die stimmige Ergänzung. Jene Erkundung war ebenfalls sofort beschlossen worden, und zwar in Ge- stalt einer Sondierung bei den drei geistlichen Kurfürsten, umgehend einen Reichstag anzusetzen, um über die Beschickung des Konzils durch die Reichs- stände zu beraten360. Zugrunde lag der Gedanke, eine Bekräftigung der wech- selseitigen Friedenszusage herbeizuführen, um einerseits die protestantischen Ängste vor einer gewaltsamen Oktroyierung der Konzilsdekrete zu beschwich- tigen, damit andererseits den katholischen Reichsständen die Teilnahme ohne Sorge vor Überfällen möglich würde. Ferdinands Abgesandte in Naumburg hatten die Stimmung für einen Reichstag als nicht ungünstig eingeschätzt, und Kurfürst August von Sachsen signalisierte Unterstützung361. Wie gering freilich das Interesse der drei Erzbischöfe am Konzil war, enthüllte sowohl ihre schlep- pende Reaktion – Ferdinand mußte seine Anfrage am 13. März wiederholen, denn es waren noch keine Antworten eingegangen362 – wie auch ihr Abwinken: Das Konzilsthema allein genüge nicht für die Einberufung eines Reichstages, und da die evangelischen Stände dort immer als geschlossene Gruppe aufträten, seien Einzelverhandlungen mit ihnen vorzuziehen363. Während des Wartens auf die Stellungnahme aus Naumburg und später auf die der geistlichen Kurfürsten mußte Ferdinand manches unerquickliche Ge- spräch mit Hosius über sich ergehen lassen364. Immer wieder versuchte er dem Nuntius zu erklären, warum ihm die Einbindung der Protestanten in das Kon- zil so wichtig war, aber Hosius, der in ihnen nur Ketzer zu sehen vermochte, hatte dafür kein Verständnis365. Gegen seine Vorhaltungen, mit denen er Ferdi- nand zur verbindlichen Annahme der Konzilsbulle bewegen wollte, wehrte sich der Kaiser mit dem Argument, die Schuld für die Schwierigkeiten liege nicht bei ihm, denn er habe mehrfach auf die mit der Kontinuation verbundenen Risiken und die Vorteile einer Neuansage hingewiesen. Zweimal differenzierte er dabei, 358 Sickel, Konzil, S. 174. Dies war aber kein förmlicher Antrag auf Verschiebung! 359 AN K 1494 (= B12) = 21 Mi 97, Stück 27: F. an Nicolas Pollweiler, 17.2.1561; Šusta 1, S. 182, bietet eine italienische Übersetzung; Fischer, S. 200f 360 Sickel, Konzil, S. 172f: Schreiben des Kaisers v. 16.2.1561; HHStA Wien, RHRP 18, fol 63r-64r: Beschluß des Geheimen Rates. Ferdinand hatte natürlich noch mehr Themen (s. unten S. 415 mit Anm. 394). 361 Sickel, Beiträge, S. 525 (Bericht v. 3.2.1561) u. S. 549f (Hassenstein an F., 12.2.1561; diese Mel- dung lag bei der Beschlußfassung noch nicht vor); Luttenberger, Kurfürsten, S. 93 Anm. 3 362 Sickel, Konzil, S. 173 363 CT 8, S. 191: Commendone an Borromeo, 14.4.1561 (über einschlägige Äußerungen des Erzbi- schofs von Trier); Reimann, Sendung, S. 261; Krause, S. 45. 364 Berichte von Hosius über mehrere Gespräche in NB II 1 (Nr. 44–47, 49, 51, 52) 365 NB II 1, S. 204ff u. S. 215ff: Hosius’ Berichte v. 6.2. u. 17.2.1561 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser