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Gründe für die lange Verzögerung der kaiserlichen Teilnahmezusage 413
für seine Person nehme er die Bulle ohne Widerspruch an366, aber als Kaiser
müsse er verhindern, daß wegen des Konzils im Reich ein Krieg ausbreche und
die Katholiken, die an der Synode teilnehmen wollten, in Gefahr gerieten. Eine
Annäherung der Standpunkte kam nicht zustande, meist brach Ferdinand das
Gespräch ab. Formal traf es zu, wenn im Mai Zasius die Sprachregelung erteilt
wurde, der Kaiser „hab nie in die continuation deß concilii bewilligt“367. Hosius
gewann in diesen Streitgesprächen den Eindruck, der Kaiser erstrebe nach dem
Muster des Religionsfriedens eine Garantie des Papstes und der anderen katho-
lischen Herrscher für die Protestanten, nicht mit Waffengewalt gegen sie vor-
zugehen, wenn sie die Dekrete des Konzils ablehnen würden368; wahrscheinlich
hat Hosius Äußerungen Ferdinands, wie den Befürchtungen der Protestanten
abzuhelfen sei, mißverstanden. Ferdinands während dieser Audienzen geäu-
ßertes Befremden, warum aus Rom keine Mitteilung käme, welche Folgerungen
der Papst aus dem Naumburger Ergebnis ziehe, belegt, wie lange er noch auf
ein Umdenken in Rom zugunsten seiner Konzilskonzeption gehofft hat.
Während Hosius sich in Wien abmühte, ging Pius IV. in Rom einen viel ein-
facheren Weg: Er interpretierte Ferdinands Brief vom 9. Januar sowohl vor den
Kardinälen als auch gegenüber dem französischen Botschafter als Annahme der
Konzilsbulle369. Arcos Widerspruch blieb unbeachtet, der Papst nutzte die
Unterlassung des Kaisers, seine mündlich vorgetragene Kritik schriftlich zu
wiederholen, um sie zu ignorieren. Mit der Ernennung von zwei Konzilslegaten
am 14. Februar 1561 demonstrierte er den Willen, an seinem Programm für die
Synode festzuhalten370. Die Abreise des Konzilspräsidenten nach Trient war ein
weiteres Signal dafür, auch wenn der Papst Arco erklärte, es sollten noch keine
Sitzungen stattfinden, denn er wolle die Reaktion der deutschen Bischöfe ab-
warten371.
Die brüske Ablehnung der Protestanten bewog Pius IV. also mitnichten zum
Einlenken, Ferdinands Kalkulation ging nicht auf. Vielmehr hatte jene kühne
Auslegung des ersten kaiserlichen Briefes durch den Papst in den letzten Fe-
bruartagen die Wirkung, daß die französische Regierung nach einigem Schwan-
ken ihren bisherigen Widerstand aufgab372, da Bochetels Mißerfolg in Wien
dazu paßte und kurzzeitig sogar der Eindruck entstanden war, die in Naum-
burg versammelten Protestanten würden die Einladung zum Konzil anneh-
366 Ebda, S. 207 u. 216
367 HHStA Wien, RHRP 19, fol 57r: Eintrag zum 24.5.15761. Das Schreiben an Zasius differen-
zierte dann, der Kaiser habe den Papst zweimal gewarnt, aber nachdem die Bullen ergangen wa-
ren, „die sach auch weiter nit fechten khonden“, und so eindeutig sei die Kontinuation ja nicht
ausgesprochen“ (Ebda 18, fol 83r/v). Auch hier wiederum nach außen keine klare Distanzie-
rung!
368 NB II 1, S. 220: Bericht Hosius’ v. 24.2.1561; Borromeo reagierte mit der scharfen Erklärung
(am 15.3.1561), der Papst werde niemals einer Vereinbarung nach Art des „äußerst skandalösen“
Religionsfriedens zustimmen (ebda, S. 226).
369 Sickel, Konzil, S. 169f: Arco an F., 8.2.1561; Evenett, S. 214
370 Jedin, Konzil 4/1, S. 57
371 Sickel, Konzil, S. 180: Arco an F., 5.3.1561
372 Dazu eingehend Fischer, S. 187ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien