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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 415 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Gründe für die lange Verzögerung der kaiserlichen Teilnahmezusage 415 suchte er seinen Neffen davon abzubringen385. Trotz der minimalen Chancen wollte er den Protestanten den Zugang zum Konzil weiterhin offen halten. Seit er von der ersten Legatenernennung und der französischen Teilnahme- zusage wußte, leitete Ferdinand seinerseits die Vorbereitungen für die Entsen- dung eigener Vertreter ein. Vom Grafen Hugo von Montfort, der während der zweiten Trienter Tagungsperiode kaiserlicher Orator für das Reich gewesen war, forderte er einen Bericht über seine Instruktion und seine Tätigkeit an386, außerdem erging der Befehl, in den Akten nach den früheren Konzilsinstruk- tionen Karls sowie den eigenen zu suchen387. Was Hosius schon vier Wochen früher von einem – nicht namentlich genannten – Rat Ferdinands vertraulich erfahren hatte, daß der Kaiser sehr wohl beabsichtige, das Konzil zu beschik- ken, war zweifellos zutreffend388; ob eine Indiskretion begangen wurde oder ob Ferdinand sich auf diese Weise dem ständigen Drängen des Nuntius nach de- monstrativer Annahme der Konzilsbulle entziehen wollte, muß offen bleiben. Ende April lagen in Wien sowohl die Antworten der geistlichen Kurfürsten als auch neue Informationen aus Rom und über die Haltung der Könige von Spanien und Frankreich vor. Arco meldete, der Papst werde wegen der von Spanien bereiteten Schwierigkeiten das Konzil um mehrere Monate vertagen389. In Frankreich war für August eine Versammlung berufen worden, was von kritischen Beobachtern als Vorbereitung des Nationalkonzils interpretiert wur- de390, die erwähnte Bitte Ferdinands um Verständnis für Verzögerungen war von Chantonnay gar nicht vorgetragen worden391. Nun wurden im Geheimen Rat drei Entscheidungen getroffen392: (1) Keinen Antrag auf Vertagung des Konzils zu stellen393; das war derzeit überflüssig. (2) Abfertigung der eigenen Gesandten erst dann, wenn aus Rom und anderen Orten der Aufbruch nach Trient begonnen habe. (3) Anfragen bei allen Kurfürsten wegen eines Reichsta- ges unter Angabe von fünf Beratungspunkten. Ferdinand wollte diese Sondie- rung zugleich dafür nutzen, um die Stimmung für die beabsichtigte Königswahl Maximilians zu erkunden394. Anfang Mai traf der päpstliche Kämmerer Canobio in Wien ein. Wichtiger als die Überbringung der Goldenen Rose395 an Maximilians Gemahlin Maria war seine politische Botschaft: Der Papst hätte es zwar begrüßt, wenn der Kai- ser als oberster Fürst der Christenheit seine Prälaten und Oratoren schon nach 385 Chudoba, Relaciones, S. 311 Anm. 1, zitiert aus Ferdinands Weisung an Gúzman v. 21.5.1561; CDI 98, S. 218f: Luna an Ph., 24.5.1561 386 Sickel, Konzil, S. 184: F. an Montfort, 13.3.1561 387 HHStA Wien, RHRP 19, fol 29r 388 NB II 1, S. 213 389 Sickel, Konzil, S. 189f: Arco an F., 12.4.1561 390 Fischer, S. 200 391 Šusta 1, S. 183: Chantonnay an F., 28.3.1561; Fischer, S. 201 392 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 29.4.1561 393 Damit fällt die Konstruktion, Canobio habe im März einen solchen Antrag nach Rom gebracht (Šusta 1, S. 182); Ferdinand hat das einmal dementiert (NB II 1, S. 229f), bei anderer Gelegenheit das Dementi unterlassen (ebda, S. 232). 394 Dazu Kapitel 9, S. 587 395 Zur Bedeutung dieser Ehrung im 16. Jahrhundert Cornides, S. 32 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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